Was hat denn das Klima mit Gesundheit zu tun?

Vermutlich hat jeder schon bemerkt, dass das Wohlfühlen und die Leistungsfähigkeit auch von der Temperatur abhängt. Wenn es besonders heiß oder kalt ist, funktionieren wir nicht richtig. 😉 Auch wenn sich das jetzt etwas technisch anhört, es gibt tatsächlich so etwas wie eine optimale Temperatur für die Gesundheit. Und damit sind wir auch schon bei der Vorlesung „Klimawandel und ich“ der Heinrich-Heine-Universität, denn diesmal drehte sich alles um „Klimawandel und Gesundheit“.

Vorlesung an der HHU: Klimawandel und Gesundheit

Vorlesung zum Thema Klimawandel und Gesundheit, Foto: R. Schügner

Diese Temperaturen nennen sich auch „Komfortbereiche für das Mortalitätsminimum“, was bedeutet, dass bei diesen Temperaturen die geringste Sterberate gefunden wird. Wenn die Temperaturen höher oder niedriger sind, sterben mehr Menschen. Diese „optimalen Temperaturen“ unterscheiden sich auch regional. Ich habe ein paar Beispiele zur Gesamtmortalität herausgesucht (Sachstandsbericht Klimawandel und Gesundheit, RKI 2010).

  • Finnland 14,0°C
  • Essen 15,7°C
  • Mailand 23,4°C

Wir werden mit wärmeren Temperaturen leben müssen, denn durch den Klimawandel sind verstärkt länger andauernde Hitzewellen zu erwarten. In den Städten sorgen Wärmespeicherung und die Abstrahlung der Gebäude für zusätzliche Wärmeeffekte. Die Hitze wird zu mehr Sterbefällen führen. Beispielsweise starben im Hitzesommer 2003 laut einer Studie 70.000 Menschen. Der Anstieg der Todesfälle ist hauptsächlich auf ein vorzeitiges Sterben geschwächter Menschen, von Älteren sowie Babys/Kleinkindern zurückzuführen.

Warum sind gerade diese Bevölkerungsgruppen von der Hitze betroffen?

Ältere Menschen: Hier handelt es sich meistens um Menschen mit einer geringeren Fitness und Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem können ältere Menschen nicht mehr so gut schwitzen und haben deshalb weniger Abkühlung.

Auch Kinder schwitzen noch nicht so gut, wie Erwachsene. Bei Säuglingen kommt dazu, dass die Temperaturregulation nicht voll ausgebildet ist.

Weiterhin können auch Menschen, die im Freien arbeiten von Hitzeerkrankungen betroffen sein. Es handelt sich um akute Überwärmungen, die der Körper nicht mehr ausgleichen (abkühlen) kann.

Bei den Belastungen durch Hitze ist neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit wichtig. Denn unser „Abkühlungssystem“ mit dem Schwitzen funktioniert bei hoher Luftfeuchtigkeit nicht mehr so gut, so dass schon Temperaturen um 30°C bei hoher Luftfeuchtigkeit sehr belastend sein können.

Tipps bei Hitze

  • Viel Wasser trinken (Wasserverlust durch Schwitzen)
  • Keinen Alkohol trinken (belastet den Kreislauf zusätzlich)
  • luftdurchlässige helle Kleidung tragen (bessere Abkühlung des Körpers)
  • Sich im Haus oder im Schatten aufhalten (kühlere Temperaturen)
  • Anstrengende körperliche Tätigkeiten an besonders heißen Tagen vermeiden
Hitze-Tipps

Tipps zum Verhalten bei Hitze, Bild: R. Schügner

Gerade Bewohner von Städten sind durch die Wärmespeicherung und Abstrahlung der Gebäude besonders gefährdet. Hier muss der Städtebau angepasst werden. Das Aufbrechen von versiegelten Flächen und das Planen Grünflächen in der Stadt oder auch Dachbegrünungen sorgen durch die Verdunstungskälte für ein angenehmeres Klima. Pflanzen auf dem eigenen Balkon verschönern die Umgebung und sorgen für ein besseres Klima.

Rosen

Schöne Umgebung und gutes Klima: Rosen auf dem Balkon, Foto: R. Schügner

Da sich schwarze Dächer in der Sonne besonders aufheizen, sollte über eine Begrünung oder falls das nicht möglich ist, über hellere (am besten weiße Dächer) nachgedacht werden.

Damit die Städte fit für eine Zukunft mit Hitze und anderen Wetterextremen wie Starkregen sind, muss in die Stadtplanung und den Umbau investiert werden.

Es gibt mehr Allergien durch den Klimawandel?

Ein Beispiel ist der Eichenprozessionsspinner, der seit ein paar Jahren regelmäßig in der Presse auftaucht, da er sich mittlerweile massenweise vermehrt. Seine Raupen besitzen Brennhaare, die zu Reizungen und Allergien führen.

Die Pollenallergiker mussten feststellen, dass mittlerweile das ganze Jahr „irgendwas“ blüht. Ein Beispiel ist die Haselnuss, deren Blüte immer früher beginnt und damit weiter in den Januar hineinverschiebt. Allergiker sind länger den allergieauslösenden Pollen ausgesetzt und die pollenfreien Erholungsphasen fehlen.

Das war jetzt ein Blick auf gesundheitliche Folgen des Klimawandels, die wir hier aktuell schon wahrnehmen. Als nächstes gibt es noch einen Blick auf Infektionskrankheiten, die sich langsam bei uns ausbreiten.

Klimawandel und Infektionserkrankungen

Wer bei Hitze und Infektionskrankheit an Malaria denkt, liegt nicht so falsch. Auch die Malaria breitet sich durch die steigenden Temperaturen aus. Genauer gesagt die Anopheles-Mücke als Überträger kann sich in den jetzt wärmeren Gebieten vermehren.

Hier in Deutschland denken wir beim Thema Krankheitsübertragung durch Tiere hauptsächlich an Zecken und die Erkrankungen Borreliose und FSME. Unsere heimischen Zecken vermehren sich immer noch blutsaugend weiter, 😉 aber eine neue Zeckenart ist aufgrund der wärmeren Temperaturen und milderen Winter eingewandert. Die tropische Hyalomma-Zecke jagt – im Gegensatz zu unseren heimischen Arten – aktiv und bewegt sich mehrere hundert Meter auf ihren Wirt zu. Etwa die Hälfte der Hyalomma ist Überträger von Rickettsien, einer Bakterienart, die das Zecken-Fleckfieber auslösen kann. Ich habe hier ein Youtube-Video von Shrikant Kelkar mit dieser Zecke gefunden. Hier könnt ihr sehen, wie sie aussieht (gestreifte Beine) und wie schnell sie sich bewegt.

Über Mücken hatte ich schon in meinem Beitrag zum Barcamp OKNRW geschrieben. (Ich verlinke auf die Wikipedia-Artikel mit Fotos, so dass ihr euch die Mücken anschauen könnt.) Auch die bei uns am weitesten verbreitete „Gemeine Stechmücke“ (Culex pipiens) kann das West-Nil-Virus übertragen. Allerdings verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen ohne Symptome und nur wenige erkranken schwer. Mittlerweile breitet sich eine weitere Mückenart die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in Deutschland aus. Hier im Mückenatlas könnt ihr euch die Karte von 2012 und die Funde von 2012-2017 ansehen. Sie hat sich mittlerweile ziemlich ausgebreitet.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist in Süddeutschland häufiger zu finden und Überträger verschiedener Erkrankungen: Zika-Virus, Gelbfieber, Chikungunya-Fieber und Dengue-Fieber. Alles Krankheiten, die einen bisher eigentlich eher an Fernreisen denken lassen. Irgendwie juckt es mich jetzt. 😦 Aber hier noch einmal der Tipp (mit Video): Wer sich am Citizen-Science-Projekt Mückenatlas beteiligen will, kann beim Einfangen helfen.

Veröffentlicht am Dezember 5, 2019 in NATUR + WISSENSCHAFT und mit , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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