Archiv für den Monat Oktober 2014

Tipp: Historische Werke aus den Life Sciences sind digital zugänglich

Das Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften (ZB MED) stellt etwa 1.000 historische Werke kostenlos – es handelt sich um urheberrechtsfreie Werke vor 1920 – digital zur Verfügung.

Die digitalen Sammlungen sind in 3 Kategorien aufgeteilt und ich werde ein paar Titel pro Kategorie nennen. – Damit ihr eine Vorstellung von den vorhandenen Themen bekommt.

Bibliothek des Niederrheinischen Vereins für die Öffentliche Gesundheitspflege:

  • Anleitung zur Krankenpflege
  • Ausstellung ärztlicher Lehrmittel
  • Bericht des Comite’s für öffentliche Gesundheitspflege in Köln
  • Bericht über die Cholera-Konferenz in Weimar
  • Bibliographie über die Hygiene der Stadt Breslau

Physische Anthropologie (Thomas Hösche Sammlung)

  • Das Wachstum des menschlichen Nagels und des Pferdehufs
  • Allgemeine Anatomie
  • Anatomie für Künstler
  • Anleitung zu den Präparirübungen

Sammlung Apidologie (Bienenkunde)

  • Anleitung zur Bienenzucht für kleine Landwirthe
  • Baron E. Rothschütz‘ illustrirter Bienenzuchts-Betrieb
  • Die bekanntesten Honig- und Bienen-Nährpflanzen Deutschlands
Bienen_2

Bienenkörbe Anno 2014 😉 Foto: Ricarda Schügner

So wie ich gesehen habe, sollte man bei einigen Werken die alt-deutsche Druckschrift kennen.

Aber interessant dürfte es sein, z. B. die Hygiene-Vorstellungen aus der damaligen Zeit mit den aktuellen Erkenntnissen zu vergleichen 😉 Anatomie für Künstler hingegen, könnte noch für alle, die zeichnen recht nützlich sein. Bei der Bienenzucht würde mich interessieren, ob sich da viel geändert hat oder ob nur wenige Dinge moderner geworden sind.

Viel Spaß beim Stöbern – durch die Digitalisierung gibt es zumindest keine Staublunge mehr 🙂

Social Engineering – Was ist denn das?

Heute am Sonntag hatte ich mir vorgenommen mal meine regelmäßig im Briefkasten ankommenden Zeitschriften „abzuarbeiten“. Allerdings bin ich nicht weit gekommen – direkt beim 1. Artikel in der 1. Zeitschrift bin ich hängengeblieben.

Zunächst nur bei der Titelzeile „Die psychologischen Grundlagen des Social Engineering“. [Lit. 1] Mit „Engineering“ verbinde ich Ingenieurswissenschaften und Technik, aber was haben das „Social“ und die „psychologischen Grundlagen“ dort zu suchen und dann noch in der Zeitschrift „Information – Wissenschaft & Praxis“. Meine Neugier war geweckt und schon habe ich den Artikel verschlungen.

Na ja, wie sich schon angedeutet hat, hat das „Engineering“ in diesem Fall nichts mit der mir bekannten Übersetzung zu tun. Bei Wikipedia finden sich in Deutsch unter Social Engineering (Sicherheit) bzw. Social Engineering (security) zumindest kurze Einführungen, wobei die englische meines Erachtens etwas ausführlicher ist. Der Artikel von Schumacher ist wirklich gut: ausführlich und anschaulich. Unter dem Begriff „Social Engineering“ versteht man Strategien zur psychologischen Manipulation von Menschen, wie sie auch Hochstapler oder Trickbetrüger nutzen. Ein Beispiel hierfür ist der „Hauptmann von Köpenick“. Die Geschichte in Kurzversion:

Der Schuhmacher Wilhelm Voigt erwarb eine Hauptmannsuniform und hielt in dieser – mit entsprechendem Auftreten – einen Trupp Soldaten an, stellte sie unter sein Kommando und besetzte mit ihnen das Rathaus in Köpenick. Er „beschlagnahmte“ die Stadtkasse und konnte zunächst unerkannt untertauchen, wurde aber später gefasst. Durch die Autorität der Uniform sowie sein Auftreten gelang es ihm seine Umgebung zu täuschen. Schumacher führt in seinem Artikel ein weiteres Beispiel an. Ein Konkurrent eines Ingenieursbüros kommt mit einem ähnlichen Vorgehen an wichtige Unterlagen des Wettbewerbers.

Die folgenden Ausführungen Schumachers zu den psychologischen Grundlagen waren sehr spannend – und das ein oder andere Experiment kam mir sogar bekannt vor. Im folgenden liste die Ansatzpunkte für Manipulationen kurz auf.

Reziprozität

Bei „Reziprozität“ handelt es sich um einen Begriff aus der Soziologie, der aus dem lateinischen stammt und u.a. für „in Wechselwirkung stehen“ steht. Im Prinzip handelt es sich um eine Art „Tauschhandel“ auf den man in der Gesellschaft bzw. beim Zusammenleben der Menschen nicht verzichten kann, der aber sehr anfällig für Manipulation ist: Einem Geschenk folgt ein Gegengeschenk, einem Zugeständnis das Zugeständnis der anderen Seite („Kompromisse“, feilschen). Schumacher empfiehlt als – sozialverträgliche – Abwehrstrategie, darauf zu achten, dass man nicht übervorteilt wird, d.h. die gegenseitigen Geschenke und Gefälligkeiten sich in gleichem Rahmen bewegen.

Commitment und Konsistenz

Die Definition laut Wikipedia ist für Konsistenz in der Psychologie die Tendenz bei bestimmten Überzeugungen, Einstellungen und Verhalten eine Widerspruchsfreiheit zu wahren. Das Motto ist:

Wer A sagt, muss auch B sagen – – – also bringe jemanden dazu A zu sagen.

Besonders interessant finde ich den von Schumacher vorgestellten Versuch von Freedman (1965). Hier wurden 2 Gruppen von 7- bis 9-jährigen Jungen einmal mit einer Drohung und einmal mit einer Begründung vom Spielen mit einem bestimmten Spielzeug abgehalten. In der ersten Runde war das Ergebnis in beiden Gruppen gleich. In der späteren 2. Runde zeigte sich – die „Bedrohung“ war weg – dass deutlich weniger Jungen in der Begründungsgruppe mit dem Spielzeug spielten, als Kinder aus der Gruppe mit der Drohung. Die Begründung hat dauerhaft besser gewirkt, während die Drohung nur kurz wirksam war – und vermutlich hinterher der Gegenstand umso interessanter.

Soziale Bewährtheit

Wieder so ein Fachterminus. „Soziale Bewährtheit“ bedeutet, dass man sich an der Handlung anderer Personen orientiert. Wie sich andere verhalten, kann nicht falsch sein – oder? In unsicheren Situationen kann dies zu einem Abwarten aller führen: alle schauen zu, wie etwas passiert, z.B. ein Überfall oder keiner hilft bei einem Unfall – jeder wartet auf den anderen… Eine alternative Handlung ist der „Herdentrieb“. So führte z.B. Goethes Buch die „Leiden des jungen Werther“, der am Ende des Buches Suizid beging zu einer Suizidwelle.

Weitere Themen, die ich hier nur kurz vorstelle, sind

  • Sympathie (nun wie ist das, wenn euch jemand sympathisch/unsympathisch ist?)
  • Autorität (siehe oben „Der Hauptmann von Köpenick“)
  • Knappheit (Erinnert ihr euch an Schlagzeilen …phone… ist innerhalb von Minuten ausverkauft?)

Mein Fazit ein wirklich spannender Artikel, der uns zum einen die psychologischen Gründe für bestimmte Verhaltensweisen näher bringt und zum anderen Ansatzpunkte für Manipulationen aufzeigt. Hier habe ich noch eine Übersicht mit allen Unterpunkten sowie kurzen Erklärungen gefunden.

Als netten Abschluss könnt ihr auf nobelprize.org versuchen, ob ihr bei „Pawlows Hund“ den Speichelfluss anregen könnt – ohne, dass er Futter sieht 🙂

Literatur

[1] Schumacher S; Information Wissenschaft & Praxis 2014, 65(4-5):215-230

Termine + Tipps rund um die Nobelpreise

Im Oktober ist wieder die Zeit für die Bekanntgabe der Nobelpreise. Das nehme ich zum Anlass um euch neben den anstehenden Terminen ein paar Tipps und Infos rund um die Website der Nobel-Stiftung vorzustellen.

Fangen wir mal mit den Terminen an:

  • Am Montag, den 06.10.2014 ab 11.30 Uhr CET wird der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin bekanntgegeben.
  • Dienstag, 07.10.2014 ab 11.45 Uhr CET wird bekanntgegeben, wer den Physik-Nobelpreis bekommt.
  • Mittwoch, 08.10.2014 ab 11.45 Uhr CET folgt die Bekanntgabe des Chemie-Nobelpreises.
  • Am Freitag, den 10.10.2014 ab 11.00 Uhr CET werden wir wissen, wer den Friedens-Nobelpreis bekommt.
  • Montag, den 13.10.2014 ab 13.00 Uhr CET findet die Bekanntgabe des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften statt.
  • Das Datum für den Literaturnobelpreis steht noch nicht fest.

Die Bekanntgabe der Preise wird per Webcast auf der Seite der Nobel-Stiftung bzw. deren Youtube-Kanal übertragen. Also falls ihr gerade Zeit habt und gaaaanz aktuell wissen wollt, wer welchen Preis wofür erhält, schaut mal beim Nobelpreis vorbei.

Allerdings werden die Bekanntgaben der Preise auch aktuell über den Twitter-Kanal der Nobel-Stiftung getweetet. Wer aktuell mit dabei sein möchte, der Hashtag lautet #NobelPrize2014

Zu den aktuellen Preisen gibt es dann einiges an Information:

Ich fange mal an der Stelle an, dass die Bekanntgabe der Preisträger draußen ist. Als Beispiel suche ich mir den Chemie-Nobelpreis vom letzten Jahr aus (woher das wohl kommt…). Er wurde verliehen „für die Entwicklung von multiskalen Modellen für komplexe chemische Systeme“. Ich kannte immerhin den Namen eines der Preisträger: Martin Karplus und zwar hierfür.

Da das vermutlich einer ganzen Reihe von Leuten so geht, gibt es zusätzlich zu den Presseinformationen, weiterführende fachliche Informationen sowie Informationen für die breite Öffentlichkeit.

Auf den Seiten der Nobel-Stiftung findet man, zusätzlich zu den aktuellen News, wer welchen Preis bekommt, weit aus mehr Informationen zu den Themengebieten in denen die Preise verliehen werden.

Zuerst wären da die historischen Informationen zu nennen, es gibt Verzeichnisse mit allen Preisträgern in allen Disziplinen und aus der nähreren Vergangenheit auch diverse (Video-)Interviews mit Preisträgern. Weiterhin gibt es ein elektronisches Archiv in dem man nachschlagen kann, wer wen für einen Preis nominiert hat – zumindest wenn es länger als 50 Jahre her ist.

Auf den einzelnen Seiten findet man weiteres über die jeweilige Disziplin und die Preisträger.

Wenn man z. B. auf der Startseite für die Chemie-Preise ist, (und schon wieder Chemie 😉 ) gibt es hier schon ein paar allgemeine Zahlen: die Gesamtzahl der Preise (105), Einzel-Preisträger und dass von 105 Preisen nur 4 Frauen einen Chemie-Nobelpreis bekommen haben – schade :-/. Weiterhin kann man Informationen zu einigen Preisen direkt auswählen. Und am Ende der Seite wird die Frage beantwortet „Why chemistry matters“. Es gibt dort aktuell 3 Videos: many facets, adventourus, a beautiful science 😀 . Hier kommen auch Chemie-Nobelpreisträger zu Wort.

Wir wissen doch alle: Chemie ist super 😉

Unter der Rubrik „Educational“ findet man auch kleine Spiele für den Zeitvertreib, wie z. B. das Diabetes Dog Game oder das Pavlovsche Hund Spiel. Wer mag, kann dort ja mal vorbeischauen.

Nachtrag anlässlich des Chemie-Nobelpreises 2014:  

Hier gibt es – auf meinem Lieblingskanal Periodic Videos – einen Beitrag zum Chemie-Nobelpreis 2014, den Eric Betzig, Stefan W. Hell und William E. Moerner für hochauflösende Fluorenszenzmikroskopie erhalten haben.

 

 

Tipp: Videos mit Infos rund um das Periodensystem und Chemie im Alltag

Da ich finde Chemie ist toll 😉 habe ich hier mit den „Periodic Videos“ einen Tipp zu gut aufbereiteten (englischen) Chemie-Infos für euch.

Die Periodic Videos der Universität Nottingham werden von Video Journalist Brady Haran und den Chemikern rund um Prof. Poliakoff produziert. Man findet hier neben gut und anschaulich aufbereiteten Informationen zu den Elementen des Periodensystems auch Videos zu Molekülen und aktuellen Themen.

Hier ist das 500. Video mit ein paar Einsichten. 😉

Ich stelle euch aus der Vielzahl der vorhandenen Videos ein paar vor, die mir gut gefallen.

Titan

Das Video zum Element Titan ist ein Beispiel für die ursprünglich geplanten Filme zu den Elementen des Periodensystems. Titan ist ein relativ häufiges Element, dass man aufgrund der Eigenschaften zwar leicht, aber trotzdem eine große mechanische Festigkeit aufzuweisen schätzt. Im Alltag wird es z. B. in Flugzeugen oder Hüftprothesen verwendet. Viele werden auch Schmuck aus Titan kennen. Ein bekanntes Pigment in vielen Wandfarben ist Titanweiß bzw. Titandioxid.

Armreif_Titan

Das Reh „trägt“ einen Titanarmreif. Die Farbigkeit wird durch gezieltes Erzeugen einer Oxidschicht erreicht.

Als nächstes habe ich eine Reihe von Videos zum Thema „Wasser“ ausgesucht. Wasser (H2O) ist hier auf der Erde eine bedeutende Verbindung: Etwa ¾ der Erdoberfläche ist mit Ozeanen bedeckt. Neben den großen Ozeanen findet man an Land Wasser in Form von Bächen, Flüssen, Seen sowie als Grundwasser. Wasser findet sich zu einem hohen Anteil auch im Menschen und der Tier- und Pflanzenwelt.

Wasser

Der Schmelzpunkt liegt bei 0°C und der Siedepunkt bei 100°C – bei Normaldruck (1013 mbar). In diesem Video zeigt sich die Abhängigkeit des Siedepunktes vom Druck, auch wenn die Versuchsbedingungen im Himalaya alles andere als ideal waren.

Durch die Dichteanomalie des Wassers, dass nicht im festen Zustand (Eis), sondern bei +4°C am dichtesten ist, schwimmt Eis auf Wasser. Hier diskutiert Prof. Poliakoff was passieren würde, wenn es nicht so wäre.

Eis_Wasser

Eis schwimmt auf Wasser – und trägt in diesem Fall sogar noch eine Muschel

Auch in 2 weiteren Videos geht es um das Thema „Eis“. Das „Schnee-Video“ führt uns schon in die Winterzeit und zeigt uns wie wir den Schnee durch die Gefrierpunktserniedrigung durch (Streu-)Salz wieder in die flüssige Form überführen.

Da passt das „Eiswürfel-Video“ deutlich besser zu den aktuellen Temperaturen 🙂 Es zeigt, was passiert, wenn man den Eiswürfel in Getränke, Alkohol und flüssigen Stickstoff wirft.

Koffein

Für alle Koffein-Süchtigen gibt es zum Abschluss noch das Video mit der Koffeinextraktion. Wobei zu erwähnen ist, dass Koffein nicht nur in Kaffee, sondern auch in Tee zu finden ist. Also beides nur in Maßen und nicht in Massen genießen 😉

Kaffeebohnen

Kaffeebohnen – immerhin muss man hier erst noch vor dem Kaffee-Vergnügen arbeiten 😉