Archiv für den Monat August 2015

Tipp: Die Urdenbacher Kämpe – Naherholung und Hochwasserschutz

Vor anderthalb Wochen hatte ich trotz der Hitze einen Aktivitätsanfall. Ich habe die Wanderschuhe angezogen und bin durch die Urdenbacher Kämpe gewandert. Hinterher musste ich mich etwas erholen und habe deshalb eine Weile für den Blogbeitrag gebraucht. 😉 In Wahrheit sind die Wanderwege bequem zu laufen, da es sich bei der Urdenbacher Kämpe um eine Aue handelt. Auen sind flache Überflutungsgebiete entlang von Flüssen. Da die Pflanzen immer wieder für einige Zeit unter Wasser stehen, findet man dort Pflanzen, die mit „nassen Füßen“ klar kommen.

Ich habe ein paar Fotos von meinem Spaziergang mitgebracht. Aufgrund der Temperaturen bin ich keinem der Rundwanderwege gefolgt, sondern unter den Bäumen im Schatten geblieben.

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Die Urdenbacher Kämpe; Foto: Ricarda Schügner

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Ein Blick auf das „platte Land“: alles flach und der Rhein ist nicht zu sehen; Foto: Ricarda Schügner

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Urdenbacher Kämpe – Impressionen; Foto: Ricarda Schügner

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Urdenbacher Kämpe – Fruchtstände des Aronstabs; Foto: Ricarda Schügner

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Urdenbacher Kämpe – Bäume mit „nassen Füßen“ Foto: Ricarda Schügner

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Urdenbacher Kämpe – Baumpilze; Foto: Ricarda Schügner

Wie ihr sehen könnt, hat man einen Blick in eine flache Ebene und viele Bäume, die im Wasser stehen. Obwohl mir auf meinem Weg Spaziergänger mit und ohne Hund, Jogger und Radfahrer begegnet sind, war es nicht voll und man hat nur die Vögel gehört. Die Urdenbacher Kämpe ist mein Tipp für die Naherholung. Auf der Website „Auenblicke“ gibt es weitere Informationen rund um die Urdenbacher Kämpe, u.a. auch Rundwanderwege in verschiedener Länge.

Ich habe auf Youtube ein Video der Biologischen Station Haus Bürgel zur Urdenbacher Kämpe für euch gefunden. Man kann dort auch sehen, wie die Kämpe überflutet aussieht.

In meinem Blogbeitrag zur Renaturierung des Bachlaufs im Landschaftspark Fuhrkamp hatte ich schon den Nutzen von Auen bei Hochwasser angesprochen. Die Überflutungsgebiete schützen besiedelte Gebiete bei Hochwasser. Da das Land entlang der Flüsse oft sehr fruchtbar war, haben die Menschen nahe der Flüsse ihre Dörfer und Städte errichtet. Weiterhin waren und sind Flüsse wichtige Transportwege. In der Folge entstanden Deiche und Flüsse wurden begradigt, was deutliche Folgen bei Überflutung hat. Ein Youtube-Video von The Nature Conservency zeigt diese Entwicklung (englisch).

Die Folgen des prognostizierten Klimawandels, werden z.B. hier von der grünen Bundestagsfraktion zusammengefasst. Insbesondere für Nordrhein-Westfalen wird zunehmender Niederschlag prognostiziert.

Um besiedelte Gebiete in Europa zu schützen, wurde das ALFA (Adaptive Land Use for Flood Alleviation) Projekt durchgeführt. An diesem Projekt waren Belgien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und Deutschland beteiligt. Die Maßnahmen sollten neben den ökologischen Aspekten auch soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigen.

Im Youtube-Video werden die durchgeführten Maßnahmen vorgestellt. Neben der Bereitstellung von Überflutungsgebieten wurden auch Warften (Hügel zum Schutz von Bauernhöfen) errichtet sowie das Abfließen des Oberflächenwassers bei heftigem Regen verlangsamt.

Die vorgestellten Maßnahmen dauern ein gewisse Zeit. Im Fall der geplanten forstwirtschaftlichen Nutzung der Auenlandschaft wird sogar von 100 Jahren gesprochen, da der Wald mit langsam wachsenden Eichen aufgeforstet werden muss. Für alle, die in Gebieten wohnen, die öfter mit Hochwasser zu kämpfen haben, gibt es auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Tipps wie man Gebäude schützen kann.

Zum Abschluss habe ich noch zwei Fotos mit einer Hochwassermarkierung für euch. Auf meinen Fotos könnt ihr sehen, dass der Rhein nicht zu sehen ist. 😉 Ich bin den „äußeren Bogen“ entlang gewandert und habe eine Bank und einen Pfahl mit der Hochwassermarkierung von Juni 2013 gefunden. Das hätte selbst an dieser Stelle ziemlich nasse Füße gegeben…

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Urdenbacher Kämpe – Die Bank mit Blick ins Grüne und nebenan die Hochwassermarkierung; Foto: Ricarda Schügner

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Urdenbacher Kämpe – Der genaue Hochwasserstand; Foto: Ricarda Schügner

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Der Sommertipp: Eis mit Eis kühlen

Bei dem aktuellen Wetter komme ich bei kühlen Gedanken nur bis zum Eis. Doch selbst Eis schmilzt in null Komma nichts bei den aktuellen Temperaturen. 😦 Also bleibt entweder sehr schnell essen – oder – ich habe ja Chemie studiert – Eis mit Eis zu kühlen. Damit habe ich dann genug Zeit mein Eis als Eis zu genießen. 😀

Um im Labor Reaktionen bei moderaten Minus-Temperaturen durchzuführen, haben wir mit einem Eis-Kochsalz-Bad gearbeitet. Die „Zutaten“ – Eis, Kochsalz und Wasser – lassen sich recht einfach beschaffen.

EisKochsalzBad_Zutaten

Die Vorbereitungen für das Eis-Kochsalz-Bad

Nach dem Zerkleinern des Eises werden die Stücke mit Kochsalz (ungefähr 3 Teile Eis zu 1 Teil Kochsalz) gemischt und noch ein wenig Wasser hinzu gegeben. Wie ihr sehen könnt, ist die Temperatur der Mischung unter Null, d.h. die Mischung ist kälter als Eis ohne das Kochsalz.

Eisbad

Außentemperatur etwa 33°C, Eisbad etwa -10°C 🙂

Ich habe mein Eis (0°C) mit Kochsalz (Raumtemperatur) deutlich heruntergekühlt. Dahinter steckt natürlich „Chemie“. In der Abbildung unten seht ihr die Kristallstruktur von Kochsalz (Natriumchlorid, NaCl). Im Kristallgitter sind abwechselnd ein positiv geladenes Natrium-Ion und ein negativ geladenes Chlor-Ion zu finden. Die Abbildung wurde mit dem Programm Vesta [Lit. 1] erstellt.

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Das Natriumchlorid-Gitter erstellt mit dem Programm Vesta [Lit. 1]

Da sich entgegengesetzte Ladungen anziehen, ist es mit Arbeit (bzw. Energie) verbunden die einzelnen Ionen aus dem Gitter zu lösen. Für das Lösen aus dem Gitter wird (Wärme-)Energie verbraucht. In Wasser (H2O) werden die Ionen von einer Hülle aus Wassermolekülen (Hydrathülle) umgeben. Bei dieser Reaktion wird Energie frei.

Wenn man jetzt Kochsalz einfach in Wasser löst merkt man, dass die Temperatur des Wassers gleich bleibt. Die verbrauchte und die freiwerdende Energie sind ungefähr gleich. Es gibt aber auch Salze, wie z.B. Natriumsulfat-Decahydrat, bei denen sich das Wasser abkühlt. Aber wir wollen mit unseren Küchenvorräten arbeiten.

Bei unserem Kältebad macht das Eis (also der Feststoff) den Unterschied. Das Eis schmilzt, das heißt, dass sich der Aggregatzustand von fest nach flüssig ändert. Auch für das Schmelzen wird Energie benötigt. Dieser zusätzliche Energiebedarf für das Schmelzen macht den Unterschied: Unser Eis-Kochsalz-Bad wird kälter!

Jetzt habe ich mir das Eis für heute verdient. 😀

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Mein eisgekühltes Eis 😉

Literatur:
[1] K. Momma and F. Izumi, „VESTA 3 for three-dimensional visualization of crystal, volumetric and morphology data,“ J. Appl. Crystallogr., 44, 1272-1276 (2011)