Archiv für den Monat Oktober 2015

Parasiten, Kräutermedizin und Nobelpreise

Die Nobelpreise in Medizin, Physik und Chemie 2015 sind verliehen. Da ich aus dem Gebiet der Carotinoid-/Retinoid-Chemie komme, gefallen mir die Preise für Medizin und Chemie natürlich sehr. 🙂 – Unter Neutrinos kann ich mir aber auch noch etwas vorstellen. 😉

Der Medizin-Nobelpreis wurde dieses Jahr an die Forscher William C. Campbell, Satoshi Omura und YouYou Tu für sehr greifbare Medikamente gegen weit verbreitete Parasiten verliehen. – Dafür ging es bei dem Chemie-Nobelpreis in Richtung Biochemie. In diesem Beitrag soll es jedoch um die Parasitenbekämpfung gehen.

Zwar handelt es sich nicht um Medikamente gegen heimische Parasiten, aber wer hat noch nie seine freilaufende Katze entwurmt, vom Fuchsbandwurm oder auch der Krätze gehört. Nicht nur die Mikroben (wie hier in meinem Blogartikel) sind überall, sondern auch die Parasiten.

Parasiten besiedeln oft mehrere Tiere bzw. den Menschen (= Wirte) in einem Zyklus, der zum Teil für die Entwicklung des Parasiten notwendig ist. Der „Wirt“ ist sozusagen derjenige, der Nahrung und  Getränke für die Entwicklung zur Verfügung stellt. 😉 Weiterhin unterscheidet man zwischen dem Zwischenwirt, bei dem nur eine Weiterentwicklung des Parasiten stattfindet, und dem Endwirt, in dem die Vermehrung stattfindet. Diese zyklische Entwicklung kann in der Bekämpfung ein Problem darstellen, da es teilweise Parasitenstadien gibt, die nur schwer mit Therapien zu erreichen sind. Weiterhin können Parasiten, die sich schnell vermehren eine Resistenz entwickeln, so wie es auch Bakterien gegen Antibiotika möglich ist.

Ich bleibe bei dem Beispiel Malaria, da ich bei futuremag/arte ein Youtube-Video mit dem Zyklus Mücke – Mensch – Mücke gefunden habe. Der Malaria-Parasit ist der Einzeller Plasmodium (Im Wikipedia-Artikel gibt es auch noch eine Abbildung mit einer ausführlichen Darstellung des Lebenszyklus von Plasmodium).

Da der Malaria-Erreger Plasmodium bekannt dafür ist, Resistenzen zu entwickeln, war Artemisinin eine wichtige neue Therapiemöglichkeit. An der Arbeit von YouYou Tu gefällt mir besonders die Idee die traditionellen Heilmethoden nach möglichen Wirkstoffen zu untersuchen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist reich an vielfältigen Arznei-Mischungen mit Kräutern und auch tierischen Bestandteilen. Ich habe die alte Apotheke Hu Qing Yu Tang in Hangzhou besucht. Es gab viele Schubladen, Kräuterduft und Mischungen, die für jeden Patienten hergestellt wurden.

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Die alte TCM-Apotheke in Hangzhou Hu Qing Yu Tang Foto: Ricarda Schügner

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Die alte TCM-Apotheke in Hangzhou Hu Qing Yu Tang Foto: Ricarda Schügner

Um sich durch die Vielzahl der Möglichkeiten zum passenden Kraut durchzuarbeiten und dann noch die Möglichkeit mit der richtigen Methode zur Isolierung des Wirkstoffes zu finden, braucht man Fleiß und ein gutes Durchhaltevermögen. Wer weiß, welche Wirkstoffe in den verschiedenen „Schubladen“, im Regenwald oder auch unseren heimischen Kräutern noch schlummern.

Bei der TCM oder auch unserer traditionellen Kräuterheilkunde handelt es sich um Erfahrungsmedizin. Selbstverständlich wird nicht alles entsprechend der neuesten Standards wirksam sein, aber zusätzlich ist in den letzten Jahrhunderten auch vieles an Wissen zur Anwendung und Aufbereitung der Kräuter verloren gegangen. Weiterhin verschwinden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Tiere und Pflanzen unwiederbringlich und damit Chancen auf neue Wirkstoffe.

Seit der Entwicklung des Hochdurchsatz-Screening (High Throughput Screening, HTS) in der Industrie besteht die Möglichkeit viele Substanzen/Stoffe innerhalb eines kurzen Zeitraumes an Testsystemen zu untersuchen. Nicht jeder Treffer wird automatisch zu einem neuen Medikament, aber je größer die „Substanzbibliotheken“ – mit Substanzen aus allen Teilen der Welt – sind, die durchprobiert werden können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, was auf eine weitere Wirkung untersucht werden kann.

Ich habe hier zwei Beispiele für „westliche“ Naturstoffmedizin. Das erste Beispiel kennt bestimmt jeder: Acetylsalicylsäure – wirkt gegen Kopfschmerz. 😉 Der Wirkstoff ist die abgewandelte Salicylsäure, die aus der Weidenrinde stammt. Weidenrindentee wird/wurde gegen fieberhafte sowie rheumatische Erkrankungen sowie Kopfschmerz eingesetzt.

Mein zweites Beispiel sind die Taxane, deren Name sich vom lateinischen Namen der Eibe (Taxus) ableitet. Wie hoffentlich jeder weiß, ist die Eibe GIFTIG! Bei den Taxanen handelt es sich um Krebsmedikamente. Die Ursprungssubstanz Paclitaxel wurde aus der Rinde der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) gewonnen. Da die Rinde für einen Baum lebenswichtig ist, war die Herstellung größerer Mengen schwierig. Eine chemische Totalsynthese ist zwar möglich, aber ziemlich aufwendig. Als weitere Möglichkeit wurde die Abwandlung des in unserer heimischen europäischen Eibe (Taxus baccata) in den Nadeln vorkommenden Baccatins zu Paclitaxel gefunden. Mittlerweile kann Paclitaxel biotechnisch aus Eibenzellkulturen hergestellt werden.

Die beiden anderen Forscher – William C. Campbell und Satoshi Omura – haben aus einem Bakterium (Streptomyces avermitilis) den Wirkstoff Ivermectin entwickelt. Er wirkt gegen Parasiten, die ebenfalls von Mücken übertragen werden und Elephantiasis bzw. Flussblindheit hervorrufen.

Zum Abschluss könnt ihr euch auf dem Nobelpreis-Youtube-Kanal die Verkündung des diesjährigen Medizin-Nobelpreises ansehen. Wie ihr in meinem Nobelpreis-Beitrag vom letzten Jahr lesen könnt, werden die Beiträge live bekannt gegeben.

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Herbstspaziergang im Landschaftspark Fuhrkamp

Bei meinem aktuellen Besuch zeigte sich der Landschaftspark deutlich verändert. Nach dem es in den letzten Wochen nach langer Hitze und Trockenheit endlich feuchter war, hatte der Bach endlich ein grünes Ufer. Die kleinen Bäume entlang des Baches hatten tatsächlich einige Blätter. Außerdem wuchsen hier und da Binsen im „Überflutungsgebiet“ des Bachlaufes.

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Landschaftspark Fuhrkamp – Blick auf den Bachlauf Foto: Ricarda Schügner

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Landschaftspark Fuhrkamp Foto: Ricarda Schügner

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Landschaftspark Fuhrkamp – Blick auf die Eiche Foto: Ricarda Schügner

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Landschaftspark Fuhrkamp – Blick über das Blumenfeld Foto: Ricarda Schügner

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Landschaftspark Fuhrkamp – Sonnenblume Foto: Ricarda Schügner

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Landschaftspark Fuhrkamp – Phacelia mit Spinne (Wer findet sie?) Foto: Ricarda Schügner

Am direkt angrenzenden Gelände blühte und duftet im Juni noch die Kamille. Jetzt war die Fläche voller gelber Sonnenblumen und blauer Phacelia. Ein Blumenfeld im Landschaftspark – auch wenn es toll aussieht – hat mich schon etwas gewundert. DerTipp meiner Mutter, dass es sich bei den blauen Blumen um die Gründüngung [Link] Phacelia handelt, hat mir die Antwort gegeben.

Die Nutzung von Lupinen als Gründünger kenne ich. Bei den Lupinen, die zu den Schmetterlingsblütlern (Leguminosen) gehören, nutzt man ihre Fähigkeit Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und im Boden anzureichern. In meinem Beitrag zur Nutzpflanzen-Ausstellung im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität habe ich die Nutzung der Lupinen etwas ausführlicher beschrieben.

Sonnenblumen kenne ich zwar auch als Nutzpflanze, da sie essbare Kerne (zum Knabbern und zum Backen) und ein wertvolles Öl liefert, aber die Nutzung als Gründüngung ist mir neu. Da die Wurzeln der Sonnenblume tief ins Erdreich wachsen, verwendet man sie zur Lockerung des Bodens. Auch die Phacelia (auch: Phazelie) durchwurzelt den Boden gut. Sie ist nicht winterhart und übergibt die Nährstoffe nach Verrottung wieder an die nachfolgenden Pflanzen. Neben der Bodenverbesserung ist ein weiterer Vorteil der Nutzung von Gründüngung die Bedeckung des Bodens, so dass keine unerwünschten Pflanzen wachsen.

Da es in den letzten Wochen immer wieder Berichte zu den vertrockneten Bäumen des „Baby-Waldes“, neu gepflanzter Bäume für die Langenfelder Babys des Jahres 2014, gab, habe ich mir die Pflanzung angesehen. Abgesehen von einer recht dichten Pflanzung, die aber bei Aufforstung durchaus geplant ist, sahen die Mini-Bäume recht gut aus. Die größeren Bäume entlang des Weges hat die Sommer-Trockenheit mehr „erwischt“. Sie hatten teilweise Blätter verloren, aber ich habe auch schon ein paar neue Blätter gesehen. Hierbei ist zu bedenken, dass der Laubabwurf die Bäume bei Trockenheit auch vor dem Vertrocknen schützt. Der Laubfall im Herbst ist nicht vornehmlich ein Kälteschutz der Laubbäume, sondern soll die Bäume vor dem Vertrocknen schützen. Nadelbäume schützen sich durch eine andere Blattform und einen Verdunstungsschutz auf den Blättern (bzw. Nadeln). In dem Youtube-Video von TheSimpleBiology wird die Herbstfärbung der Blätter sowie der Laubfall ausführlich beschrieben.


Meine weiteren Beiträge zum Lanschaftspark Fuhrkamp: