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Die Nutzpflanzen-Ausstellung im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität

Das gute Wetter habe ich heute für einen Ausflug an „meine“ Uni genutzt. Heute gab es eine Führung von Professor Peter Westhoff durch die Ausstellung „Nutzpflanzen – Gestern|Heute|Morgen“, die seit 26. Juni 2015 bis Ende 2016 geöffnet ist. Sonntags um 15 Uhr finden Führungen zu verschiedenen Themen statt.

Ausstellung_Termine

Führungen zur Ausstellung Nutzpflanzen – Gestern|Heute|Morgen; Foto: Ricarda Schügner

Da wir im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sind (und nicht in irgendeinem Museum), handelt es sich bei der Ausstellung nicht um Fotos oder Modelle, sondern um lebende Pflanzen in Beeten. Man kann die Pflanzen sehen, tatsächlich auch mal anfassen und vor allem ihren Duft riechen. Meine Empfehlung: die Kräuterecke mit ihren Aromen.

Professor Westhoff, Direktor des Botanischen Gartens, erläuterte in der Einführung, dass er den Begriff „Kulturpflanzen“ dem Begriff „Nutzpflanzen“ vorzieht. In der Ausstellung werden Pflanzen gezeigt, die von Menschen ausgewählt und gezüchtet wurden (= Kulturpflanzen), während der Begriff „Nutzpflanzen“ nur eine Nutzung durch den Menschen bedeutet. Eine Nutzpflanze könnte somit auch eine gesammelte Wildpflanze sein.

Der ersten „Hingucker“ bei der Führung war ein Beet mit sehr dekorativen, riesigen Blütenständen. Von der Art der Blüten hätte ich auf irgendwas mit „Allium“ (z.B. Zierlauch) getippt, aber dass es sich bei den Pflanzen um unser Gemüse Porree (bzw. Lauch 🙂 ) handelt, ist mir erst beim zweiten Blick aufgefallen. Seht selbst:

Porree

Porree (Lauch) in voller Blüte; Foto: Ricarda Schügner

Die Ausstellung ist nach Nutzung sowie Inhaltsstoffen sortiert. Neben Beeten mit ölhaltigen, eiweißhaltigen und kohlenhydrathaltigen Pflanzen findet man Beete für „Geist und Seele“ (u. a. mit Tabak), Kräuter, Kohl und „Färbe Pflanzen“. Eine komplette Reise durch die Nahrungs- und Genussmittel. Da in meiner Familie immer „gegärtnert“ wurde, kannte ich eine Reihe der Pflanzen. Was mir jedoch nicht bewusst war, war die Tatsache, dass die wichtigsten Nahrungspflanzen erst nach Europa eingeführt wurden. Die Geschichte/Einführung der Kartoffel aus Südamerika war mir noch bekannt (ist ja nicht sooo lange her), aber dass auch unsere Getreide Weizen und Roggen (aus dem Vorderen Orient) nicht heimisch sind, war mir neu.

Zu den eiweißreichen Nahrungspflanzen gehören die Leguminosen, wie unsere Bohnen und Erbsen. Die Besonderheit dieser Schmetterlingsblütler ist ihr Zusammenleben mit Bakterien. Die Leguminosen leben in Symbiose (was bedeutet, dass das Zusammenleben für beide Arten vorteilhaft ist) mit Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft in für die Pflanzen nützlichen Dünger umwandeln können. Die Bakterien erhalten dafür von den Pflanzen produzierte Nahrung. Da die Stickstoffverbindungen ein wertvoller Dünger für die Felder sind, werden Lupinen (auch Leguminosen) als Gründünger eingesetzt. Die Leguminosen bieten auch eine Pflanze, die sowohl wertvolle Eiweiße wie auch Fette liefert: die Sojabohne.

Weiterhin gibt es eine große Auswahl an verschiedenem Kohl: Blumenkohl, Rotkohl… Also ist für jeden was dabei. 😉

Kohl

Verschiedene Kohlsorten; Foto: Ricarda Schügner

In weiteren Beeten wurden Pflanzen gezeigt, die zum Färben von Kleidung verwendet werden oder dem Genuss dienen. Mein Favorit ist allerdings das Kräuterbeet. Hier gibt es nicht nur duftende Kräuter, sondern auch scharfe 🙂 – wie Chili in Variationen.

Im Bereich zur Zukunft der Nutzpflanzen wird die Frage gestellt: Wovon leben wir morgen?

Schild_Zukunft

Die Frage zur Zukunft: Wovon leben wir morgen? Foto: Ricarda Schügner

In diesem Teil der Ausstellung sind neben Nahrungspflanzen auch Pflanzen zu finden, die einen besonders hohen Biomasseertrag haben und zur Gewinnung von Bioenergie eingesetzt werden.

Einerseits wird auf diese Weise Energie aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, aber andererseits gehen Flächen zum Anbau von Nahrungspflanzen verloren. Im Hinblick auf eine wachsende Weltbevölkerung und die Notwendigkeit von Nahrungsimporten sowie Tierfutterimporten ist eine Abwägung erforderlich, ob Nahrungspflanzen oder Biomassepflanzen angebaut werden sollen. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes zur Flächenbelegung von Ernährungsgütern 2010 zeigt, dass die Zahl der Flächen, die für den Nahrungs- und Tierfutteranbau genutzt werden seit 2000 zurückgegangen sind (S. 7). Im gleichen Zeitraum sind die Importe für Tierfutter deutlich gestiegen (S. 11).

Eine weitere „Zukunftspflanze“ ist die Lupine, die schon seit langem als Gründüngung auf Feldern eingesetzt wird. Bisher wurde sie trotz wertvoller Inhaltsstoffe nicht als Nahrungspflanze genutzt, da sie Bitterstoffe enthält und einen sehr intensiven Geschmack aufweist. Für eine Aufbereitungsart, die den unangenehmen Eigengeschmack entfernt und die anderen Inhaltsstoffe schont, gab es den Zukunftspreis 2014. Hierzu habe ich ein Youtube-Video von Fraunhofer für euch:

Mein Tipp:

Die Ausstellung „Nutzpflanzen – Gestern|Heute|Morgen“ lohnt sich auf jeden Fall. Wer nicht an den sonntäglichen Führungen teilnehmen kann, findet viele Tafeln mit Informationen sowie Erklärungen an den einzelnen Beeten. Und hier noch einmal der Link zu den Terminen für die Führungen.

Tafeln

Die Informations-Tafeln der Nutzpflanzen-Austellung; Foto: Ricarda Schügner

Hier findet ihr weitere Beiträge rund um unsere Ernährung:

Mikroben: Bakterien und Pilze sind ÜBERALL

Ich hatte wohl dank des Buches von Bernhard Dixon, dass ich hier im Blog vorgestellt habe, eine Überdosis an Mikroorganismen. 😉 Aber keine Sorge, ich fange ganz harmlos an. Ich habe euch unten im Bild eine kleine „Brotzeit“ zusammengestellt. Sieht doch ganz appetitlich aus – oder?

Brotzeit

Hefen und Milchsäurebakterien unterstützen eine leckere Mahlzeit 🙂 Foto: Ricarda Schügner

Um Bier zu brauen, Brot zu backen benötigt man Hefe(pilze), die es auch für eigene Backaktivitäten zu kaufen gibt. Milchsäurebakterien benötigt man bei der Joghurtherstellung und auch zum Brot backen, sofern es sich um Roggenmehl handelt. Und dann gibt es da noch den leckeren Käse mit Edelschimmel für den guten Geschmack. 😀

Aber auch wir Menschen sind ein Biotop für Mikroorganismen. Es handelt sich um unser Mikrobiom. Diese Besiedelung mit Bakterien, Pilzen und Einzellern ist für uns nützlich, wobei der Übergang in manchen Fällen fließend ist.

In der 1. Abendvorlesung des Freiburger Uniklinikums (siehe unten) geht es um Darmflora und Mikrobiom: Warum wir ohne Keime nicht leben können. Dort wird von ca. 1.000 Arten gesprochen, die insgesamt so ca. 2kg auf die Waage bringen. Mit der Geburt erfolgt eine Besiedlung des Säuglings, sofern es sich nicht um einen sterilen Kaiserschnitt handelt. Einen Einfluss auf die Bildung/Komplexität des Mikrobioms haben auch Hygiene, Nahrung, Stress sowie Medikamente. Unsere „Mitbewohner“ schützen uns vor Infektionen, sind Quelle für Nährstoffe und stimulieren unser Immunsystem.

An einem Beispiel wird gezeigt, dass natürlich bei der Mutter vorkommende Streptokokken, die bei ihr keine Probleme verursachen, bei ihren Kindern Krankheitssymptome auslösen.

Besonders interessant sind Ergebnisse, die zeigen, dass eine unterschiedliche Zusammensetzung der Darmflora zu unterschiedlichen Symptomen/Krankheiten führen kann. Weiterhin wird gezeigt, dass eine Antibiotikagabe das Mikrobiom deutlich verändert. Veränderungen erfolgen auch durch Infektionen, Entzündungen, Operationen… Die Forschung ist jedoch noch nicht so weit um zu sagen, wie sich solche Störungen genau auswirken.

Schauen wir uns unsere „Mitbewohner“ jetzt etwas genauer an. Bakterienzellen unterscheiden sich im Aufbau deutlich von pflanzlichen oder tierischen Zellen. Sie sind einfacher aufgebaut und besitzen keinen Zellkern, sondern eine ringförmige DNA (Desoxyribonukleinsäure, Erbsubstanz). Weiterhin gibt es kleine „DNA-Ringe“ sogenannte Plasmide, die weitere Erbinformationen, z. B. auch Antibiotikaresistenzen, beinhalten. Durch die schnelle Teilung (ca. alle 20 Minuten) im Vergleich zu anderen Zellen (ca. alle 20 Stunden) bilden sich schnell viele neue Bakterien, was zum Auftreten verschiedenster Mutationen führen kann. Hier habe ich eine kleine Zusammenfassung des FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, Medieninstitut der Länder) auf Youtube.

Wie schnell sich bei Verdoppelung die Menge an – Beispielsüßkram 🙂 – erhöht, zeige ich euch hier:

Allerdings sind Bakterien nicht nur für den Menschen nützliche Mitbewohner, sondern auch Pflanzen sind auf sie angewiesen. Bekannt ist, dass Leguminosen (Hülsenfrüchtler, z.B. Erbsen, Bohnen, Lupinen) auf stickstoffarmen Böden gut wachsen, da sie im Wurzelbereich in Symbiose mit stickstoffbildenden Bakterien leben, die den Dünger direkt dort produzieren, wo er gebraucht wird.

Zum Abschluss seht ihr hier den Science Slam Beitrag von Alexandre Jousset, der zeigt, dass sich unterschiedliche Bakterienarten in den Pflanzenwurzeln bekämpfen. Was zur Folge hat, dass die Pflanzen schlechter wachsen. Viel Spaß 🙂

Weltgesundheitstag 2015: Lebensmittelsicherheit

Das Thema des diesjährigen Weltgesundheitstags am 7. April ist die Lebensmittelsicherheit. Die World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation; WHO) hat zu diesem Anlass eine Kampagne in diversen Medien initiiert und stellt Material zum Download auf ihrer Website bereit.

Es geht hierbei nicht um „gesunde“ Lebensmittel im Hinblick auf zu viel Fett, Zucker etc., sondern darum dass die Lebensmittel keine Krankheiten auslösen/übertragen. Von Salmonellen haben die meisten vermutlich schon mal gehört – oder EHEC – aber auch Chemikalien bzw. Schwermetalle oder Radioaktivität beeinträchtigen nicht nur die Qualität der Lebensmittel, sondern vor allem die Gesundheit bei Verzehr.

In der Kampagne gibt es fünf Regeln (hier Schlüssel bzw. keys genannt), die zeigen, wie man selbst für Lebensmittelsicherheit sorgen kann. Das meiste kennt ihr bestimmt:

  1. Sauberkeit: Die eigene Hygiene und die der Umgebung in der das Essen zubereitet wird.
  2. Für rohe und gekochte Lebensmittel anderes Geschirr verwenden (Übertragung von Salmonellen z.B.)
  3. Ausreichendes erhitzen/kochen der Lebensmittel um Mikroorganismen abzutöten.
  4. Die Lagerung der Lebensmittel sollte entweder ausreichend kühl (< 5°C) oder heiß (> 70°C) sein.
  5. Sauberes Wasser und saubere Lebensmittel verwenden

Unten seht ihr das Kampagnen-Video

Für mich ist „sauberes Wasser“ der Stichpunkt für gesunde und sichere Lebensmittel. Zum einen ist es wichtig für die eigene Hygiene und die der Lebensmittel sowie zum Trinken. 🙂 Zum anderen wird es in der landwirtschaftlichen Produktion der Lebensmittel gebraucht – und das nicht zu knapp. Wenn ich an den Gemüsegarten meiner Großeltern denke, erinnere ich mich an viele Wasserfässer (zum Regenwasser sammeln) meines Opas und noch mehr Gießkannen schleppen (im Sommer) um das Gemüse zu wässern.

Von der Erinnerung zu den Zahlen: 😉 Über die Seite unwater.org kommt man zum World Water Development Report der Vereinten Nationen (UN). Dort findet man, dass weltweit in der Landwirtschaft 70% des Wassers verbraucht werden. Bis 2050 wird eine weitere Steigerung des in der Landwirtschaft benötigten Wassers um 20% prognostiziert. Da die Wasserreserven nicht unendlich sind und sich durch die Klimaveränderungen auch die Niederschlagsmengen ändern, muss sich die landwirtschaftliche Produktion ändern. Die Effizienz des Wassergebrauchs muss gesteigert werden oder man weicht, zumindest teilweise, auf wasserschonende Methoden aus. Pflanzen ohne Erde in Gewächshäusern zu ziehen, soll z.B. weniger Wasser verbrauchen.

Ein weiterer beachtenswerter Punkt hinsichtlich des Wasserverbrauchs ist, dass die Erzeugung von Fleisch deutlich mehr Wasser verschlingt als die Erzeugung von Gemüse. Hier ein Beispiel aus der WWF Studie Wasserrisiko Deutschland: (durchschnittlicher Wasser-Fußabdruck, S. 36)

  • Tomaten 200 l/kg
  • Reis 2.500 l/kg
  • Rindfleisch 15.400 l/kg

Abgesehen davon, dass ein moderater Fleischkonsum gut für die persönliche Gesundheit ist, ist er auch ökologisch „gesünder“. Damit haben wir wieder den Bogen zum Thema „Lebensmittel“ geschlagen. 😉

Wenn man ganz genau wissen will, was man auf den Tisch bekommt, hilft nur der eigene Gemüsegarten/die eigene Ernte. Aber dazu braucht man Platz und Zeit, so dass die meisten „einfach nur einkaufen“ gehen werden. Hierbei achte ich für mich dann schon auf Qualität und nicht nur auf den Preis.

Wenn ich selbst koche, dann am liebsten mit regionalem und saisonalem Gemüse. Die Betonung liegt hier leider auf „wenn“, öfter den Kochlöffel schwingen wäre besser. 😦 Für die Gerichte verwende ich gerne Kräuter, Gewürze und auch Chili. Der Nachtisch wird natürlich auch nicht vergessen. Deshalb lautet mein (Spät-)Sommertipp Vanille-Quarkspeise mit gemischten Beeren.

Quarkspeise

Vanille-Quarkspeise mit Beeren, Foto: Ricarda Schügner

Vor – während – nach der Lebensmittelzubereitung die Hygiene nicht vergessen und HÄNDE WASCHEN. (das muss jetzt sein 😉 )

Krabbeltiere (Insekten, Spinnen etc.) als Proteinlieferant

Mir sind zufällig die NNI News [Lit. 1] in die Hände gefallen. Ein Artikel über Insekten (oder auch nicht) als mögliche Quelle für wertvolle Eiweiße hat zu meinem Entschluss geführt, dass ich mal ein Ründchen klugxxx (ihr wisst schon…). Besonders augenfällig an dem Artikel ist das große Bild einer großen Spinne. Zwar zieht das Foto die Aufmerksamkeit auf sich, aber zur Artikelüberschrift passt es dann nicht, da diese „Insekten als Proteinquellen“ lautet. Im Artikel geht es dann allerdings wieder um eine Studie mit Spinnen. Was denn nun? Spinnen oder Insekten?

Eine relativ einfache Möglichkeit zur Unterscheidung ist die Zahl der Beine. Insekten haben 6 Beine (= 3 Paare) und Spinnen 8 (= 4 Paare). Im Bild findet ihr eine schematische Darstellung.

Spinnen_Insekten_a

Sehr schematische Darstellung: Insekten vs. Spinnentiere

Immerhin gehören Insekten und Spinnen zu den Gliederfüßern (Arthropoda), die eine Reihe von essbaren Eiweißlieferanten bieten. Neben einer guten Auswahl an unterschiedlichsten Insekten und Spinnentieren (Arachnida – hierzu zählen neben den eigentlichen Spinnen z. B. auch Skorpione und Milben) findet man auch genießbare Tausendfüßer.

Der Tisch ist also reich gedeckt mit eiweißreichen Krabbeltieren, die in vielen Teilen der Welt tatsächlich die Speisekarte bereichern. Sie bieten durchaus einen Vorteil bei der Zucht und dem Platzbedarf. In Europa gehören sie jedoch zu den Ausnahmen oder Spezialitäten.

Ein Beispiel an das ich mich erinnere ist der „Milbenkäse“, bei dem Frischkäse mit Hilfe von Milben reift und die am Käse verbleibenden Milben zusätzliches Eiweiß liefern. 😉

Um dauerhaft die Ernährung zu mit Insekten, Spinnen & Co. zu bereichern, muss entweder der Ekelfaktor reduziert werden oder sie dienen in den Ländern als wertvolle Nahrung in denen sie ohnehin verzehrt werden. Bei Future Mag (Arte) [Link] gibt es hierzu einen interessanten Beitrag. Als eine Möglichkeit Insekten zu essen ohne, dass es „sichtbar“ ist, ist es die Insekten zu einem Mehl zu verarbeiten und in Plätzchen zu verbacken. Nun ja.

Markt_China_a

Gebackene/Frittierte Auswahl an Krabbeltierchen auf einem chinesischen Markt 🙂

Mein bisher exotischster Test war Qualle in Sojasauce. Schmeckt so ungefähr wie Blattgelatine in Sojasauce. Nicht schlimm, aber brauche ich nicht wieder. :-/ Ob ich mich an Insekten etc. wagen würde, wahrscheinlich eher nicht.

Aber wie in der vorgestellten Studie mit Spinnen (gemahlen) oder bei Future Mag mit Mehlwürmern (auch gemahlen und in Plätzchen eingebacken) gibt es Möglichkeiten das Eiweiß in eine – sagen wir – neutrale Form zu bringen. Plätzchen oder ein wie auch immer gearteter Fleischersatz aus dem Mehl… Ich bin wohl noch nicht soweit 😉

Hier findet ihr weitere Infos: (Viel Spaß beim Videos anschauen – – – )

Future Mag von Arte: YoutubeWebsite

Wie man eine gemischte Tüte Krabbeltiere verspeist (Max Wiens) oder alternativ Spinnen in Kambodscha.

Artikel gibt es bei SWR2 und SWR 1000 Antworten sowie lifeline oder dem Audi-Blog.

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Wenn man nach der Anzahl der Beiträge zum Thema „Proteine aus Gliederfüßern“ geht, scheinen die „neuen“ Nahrungsmittel ja doch irgendwie vor der Tür zu stehen…

Literatur:

[1] NNI News, Nr. 2/2014 (Nestlé Nutrition Institute)

Tipp: Wissenschaftliche Videos aus dem Bereich Gesundheit und Ernährung

Ich hatte gelesen, dass es bei der EFSA interessante Videos zu wissenschaftlichen Themen gibt. Da ha sich mir direkt die Frage gestellt: Was genau ist die EFSA?

Das hat sich ziemlich schnell mit einer kurzen Suche beantworten lassen. Es handelt sich um die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Saftey Authority = EFSA). Die Aufgabe der 2002 gegründeten Behörde ist die wissenschaftliche Risikobewertung und Risikokommunikation. Das Risikomanagement der EU bleibt weiterhin bei der EU Kommission, dem EU Parlament sowie den EU-Mitgliedsstaaten. [Lit. 1]

Der Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Ausrichtung der EFSA. Auf der Website und in den Unterlagen wird neben der wissenschaftlichen Exzellenz und Reaktionsschnelle auch die Offenheit, Transparenz und Unabhängigkeit betont. Bei der Recherche zu diesem Beitrag wurden – bezogen auf diese Punkte – auch kritische Artikel gefunden, z. B. hier und hier.

Auf der EFSA-Seite stolpert man alle Nase lang über die Begriffe Wissenschaft, Exzellenz, Unabhängigkeit und Transparenz – für meinen Geschmack etwas zu oft.

Die auf Youtube veröffentlichten Info-Videos zu unterschiedlichen Themen, zeigen ein deutlich ausgewogeneres Verhältnis von Nennung der EFSA, den Werten und den wissenschaftlichen Informationen hin (ich beziehe mich hier auf die Info-Videos mit wissenschaftlichen Themen). Diese Videos können durchaus als Einstieg in eine bestimmte Thematik dienen. Die Sprache der Videos ist Englisch, aber es sind deutsche Untertitel verfügbar.

Ich habe drei Videos ausgewählt, deren Themen ich hier kurz vorstellen will:

Das Video zu den „Enzymen“ bietet eine gute Kurzeinführung zur Thematik „Was sind Enzyme“.

Ein weiteres Video setzt sich mit dem Thema „Health Claims“ auseinander und erklärt an einem anschaulichen Beispiel, was Health Claims sind und wie diese Aussagen auf den Wahrheitsgehalt überprüft werden.

In einem weiteren Video wird das Thema „Bienengesundheit“ vorgestellt. Bienen sind Teil der Lebensmittelkette. Zum einen liefern sie ganz direkt Honig und zum anderen bestäuben sie viele Pflanzen, deren Früchte wir ernten. Ohne Bienen hätten wir durchaus ein Problem.

Bienen

Bienenkörbe; Foto: Ricarda Schügner

 

[1] Broschüre der EFSA „Verbraucherschutz durch Wissenschaft
vom Erzeuger zum Verbraucher

Herbstzeit – Pilzzeit

Jetzt im Herbst – durch das feuchte Wetter teilweise auch etwas früher als üblich – ist wieder Pilzzeit. Na ja, eigentlich sieht man erst im Herbst die Pilze, die im Erdreich (oder auch in Holz) ganzjährig wachsen. Das Mycel der Pilze durchzieht das Erdreich weitläufig.

Eine Besonderheit ist, dass Pilze „Pilze“ sind und damit weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren zählen. Das, was wir im Herbst sehen, ist der Fruchtkörper der Pilze und nur ein kleiner Teil des gesamten Lebewesens.

Ein Teil dieser Pilz-Fruchtkörper ist essbar. Allerdings reicht die Gesamt-Pilz-Palette von schmackhaft über ungenießbar bis hin zu giftig. Wer im Herbst Pilze sammeln geht, sollte sich folglich gut auskennen, da sich manchmal essbare und hochgiftige Pilze stark ähneln. Ich kann nur einen Pilz eindeutig bestimmen und zwar einen hübsch roten mit weißen Flecken: den Fliegenpilz (Amanita Muscaria). Damit fällt für mich das Pilze sammeln flach, denn der Fliegenpilz ist giftig.

Fliegenpilz2

Ein besonders hübscher Fliegenpilz – schön anzusehen, aber leider (oder vielleicht auch zum Glück) giftig; Foto: W. Schügner

Wenn ich irgendwas mit Pilzen koche, sind die im Supermarkt gekauft. 🙂

Einen äußerst nützlichen einzelligen Pilz will ich noch zum Schluss erwähnen: den Hefepilz. Man verwendet ihn z. B. zum Brot backen, wie man unten im Foto sieht 😉

Bier

Ich gebe zu, dass ist die etwas andere Sorte Brot 😉 Ein Hefe-Weißbier

Flüssiges Brot… auch Bier genannt 😀 Die Kombination von Wasser, Hopfen, Malz und Hefe verwendet man zum Bier brauen und das hat auch im Herbst (auf dem Oktoberfest) Hochkonjunktur.

Fünf mal Obst und Gemüse am Tag: Mehr bringt nicht mehr?

Letzte Woche erschien im Deutschen Ärzteblatt online ein Artikel zu einer Metaanalyse, die verschiedene Studien zusammengefasst, wie sich die Aufnahme von Obst und Gemüse auf das Risiko an bestimmten Krankheiten (z. B. Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen) zu sterben, untersucht hat. Die Studie ist hier zu finden.

Insgesamt wurden 16 Kohortenstudien in der Metaanalyse, im Hinblick auf das Sterberisiko in Zusammenhang mit der aufgenommenen Menge an Obst und Gemüse, ausgewertet. Als Ergebnis kam raus, dass eine höhere Aufnahme an Obst und Gemüse das Sterberisiko senkt, aber nur bis zu fünf Portionen am Tag. Dann zeigt ein „mehr“ keinen größeren Effekt.

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Für einen Carotinoid-Chemiker: Beta-Carotin, Lycopin, Capsorubin – für alle anderen Möhre, Tomaten, Paprika 😉 – und natürlich das Öl zur Aufnahme der fettlöslichen Vitamine nicht vergessen; Foto: Ricarda Schügner

Also scheinen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag über den Daumen gepeilt eine gute Mengenangabe. Diese fünf Portionen pro Tag sind eine durchaus bekannte „Mengenangabe“. Es gibt weltweit Kampagnen dafür. Wo wurden die ersten gestartet? (neugierig wie öfters mal 😉 )

Das Programm wurde 1988 in Kalifornien vom National Cancer Institute (NCI) gestartet. [Lit. 1] 1991 wurde das Programm landesweite vom NCI aufgelegt. Neben den Regierungsstellen beteiligt sich die private Industrie an der Kampagne. Die Botschaft ist, dass eine obst- und gemüsereiche Ernährung das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen sowie kardiovaskuläre Erkrankungen reduzieren kann. Wobei für Männer teilweise ein höherer Konsum empfohlen wird: 9-A-Day. Es handelte sich um eine großangelegte Kampagne mit Radio- und TV-Werbung, Broschüren, Website sowie Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen. Hierbei schien die Visualisierung besonders wirksam zu sein.

Aktuell wird die Kampagne vom Center of Disease Control (CDC) weitergeführt (Titel: fruits and veggies more matters).

So hat z. B. eine Studie gezeigt, dass die Mikronährstoffe im Plasma nach drei Monaten mit einer Aufnahme von fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zunehmen. [Lit. 2]

Die WHO hat die Initiative dann weltweit unterstützt. Die Initiative „5 am Tag“ gibt es auch in Deutschland. Wobei ich zwischen der CDC-Seite einerseits und der WHO sowie der deutschen 5 am Tag-Seite andererseits einen für mich sehr interessanten Unterschied gefunden habe: Beim CDC zählen Kartoffeln auch als mögliche Portion während sie bei der WHO-/5 am Tag-Seite [Lit. 3] aufgrund ihres Stärke-/Kohlenhydratgehalts rausfallen. Für mich, der gerne Kartoffeln mag, ist das nicht ganz nachvollziehbar, da z. B. auch Bananen nicht so ganz „ohne“ (Kohlenhydrate) sind. Auch die Mengenangaben unterscheiden sich. Auf der WHO-Website wird von einem Minimum von 400 g pro Tag gesprochen, während es auf der 5 am Tag-Seite 650 g sind. [Lit. 3]

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Obst mit Radieschen 🙂 Foto: Ricarda Schügner

Mein persönliches Fazit der ganzen Studien, Vorschläge, Kampagnen…

Für mich sind die fünf Portionen Obst und Gemüse (in cups/Tassen wie beim CDC oder Handvoll) am Tag eine gute Faustregel. Wenn es sich bei einer Portion dann auch mal um ein Glas Saft oder Kartoffeln (Pellkartoffeln mit frischem Kräuterquark: LECKER) handeln kann: toll 😀 Und in der aktuellen Jahreszeit mit dem großen Angebot an frischem Obst und Gemüse ist es einfach lecker und macht Spaß sich daran zu orientieren – und auch mal mehr zu futtern.

Gerade gestern ausprobiert: Vanillejoghurt mit frischen Himbeeren 🙂

Himbeeren

Himbeeren – in Vanillejoghurt einfach lecker

Literatur:

[1] DiSogra, L; presentation at WHO Fruit and Vegtable Promotion Initiative Meeting, Geneva, August 26, 2003

[2] Stahl, W et al.; Nutr J 2009, 8:10

[3] 5 am Tag-Spielregeln zum Download auf der 5 am Tag-Seite

Spaziergang, Roggenfeld und Mutterkorn

Bei meinem Spaziergang entlang eines Roggenfeldes, habe ich einige Ähren mit merkwürdigen Auswüchsen gesehen. Mir kam die Erinnerung an mein Studium: Naturstoffchemie – Alkaloide (meist stickstoffhaltige, alkalische Verbindungen mehrheitlich aus Pflanzen, die eine pharmakologische Wirkung haben). Genauer gesagt die Alkaloide des Mutterkorns, eines Pilzes, der Getreide befällt.

Da ich „Mutterkorn“ bisher noch nicht live und in Farbe gesehen hatte, habe ich die Bildersuche angeworfen. Mich hat die Vielzahl der Ergebnisse erstaunt, da sich bei mir der Begriff „Mutterkorn“ irgendwie mit dem Begriff „früher“ verknüpft hatte. Aber die gefundenen Fotos sahen so aus, wie meine Beobachtung auf dem Feld:

Mutterkorn ist die Dauerform des Schlauchpilzes (Claviceps purpurea). Der Pilz befällt bei feucht-warmem Wetter bevorzugt Roggen, aber auch andere Getreide und Gräser (zu denen unsere Getreide ja gehören).

Mutterkorn_2 Mutterkorn_3

Das sind ja nur erste Informationen – da muss ich direkt mal weiter recherchieren 😉

Wikipedia bietet ja einen guten Einstieg – und dann gibt es da ja noch meine Chemiebücher 🙂 Unter der Überschrift „Ergoline“ [Lit. 1] finde ich die Angabe, dass Mutterkorn „etwa 30 Alkaloide mit tetracyclischem Grundskelett“ enthält. Davon kenne ich namentlich Ergotamin (Migränemedikament) und LSD. Im anderen Buch [Lit. 2] finde ich, dass der Chemiker Albert Hofmann auf der Suche nach pharmazeutischen Wirkstoffen Anfang des 20. Jahrhunderts auch LSD synthetisierte und die unbekannte Substanz im Selbstversuch testete :-/ Was bei mir immer noch ein leichtes schaudern auslöst, da die Alkaloide des Mutterkorns bekannterweise hochgiftig sind.

Im Mittelalter [Lit.3] starben viele Menschen an „Ergotismus“. Es wird über 2 Formen berichtet: schwerste Krampfanfälle und Durchblutungsstörungen, die zum Absterben der Extremitäten führten. Trotzdem wurde Mutterkorn als Arznei in der Geburtshilfe und vermutlich auch zur Abtreibung eingesetzt, da die Alkaloide auch Kontraktionen der Gebärmutter verursachen. Ein hochgiftiger und schwer zu dosierender Alkaloidcocktail. Gut das ich nicht zu den damaligen Patienten gehörte. Erst seit ab dem 19. Jahrhundert einzelne Alkaloide isoliert und synthetisiert wurden, können sie genau dosiert werden.

Gut, das war jetzt der Blick zurück – und vermutlich meine Verbindung von Mutterkorn mit dem Wörtchen „früher“. Aber wie meine Fotos zeigen, ist der Pilzbefall durchaus aktuell. Mal sehen, was so ein wenig weitere „Suchtätigkeiten“ ergeben.

Mutterkorn_1 Mutterkorn_4

Aktuelle Beiträge zum Thema Mutterkorn

Auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft habe ich eine Seite mit „Handlungsempfehlungen“ inkl. Link zu einem entsprechenden pdf-Dokument gefunden mit aktuellem Stand: 01.07.2014. Ziel der Empfehlungen ist es das Mutterkorn und die Ergotalkaloide im Getreide zu reduzieren.

Dann habe ich noch einige Beiträge aus dem letzten Jahr gefunden, die von einem vermehrten Befall sprechen, z. B. in Niedersachsen – ein Artikel in einer Fachzeitschrift sowie bei der Landwirtschaftskammer, der Seite des Landwirtschaftsministeriums von Bayern, der Deutschlandfunk hat berichtet, dass Schlickgras an der Küste befallen ist.

Wie es scheint, ist der Mutterkorn-Befall keine Seltenheit – besonders bei warm-feuchtem Wetter. Es ist mir vermutlich vorher nur nicht aufgefallen.

Literatur

[1] E. Breitmaier, G. Jung, Organische Chemie; 4. Auflage 2001 (Georg Thieme Verlag)

[2] H.-J. Böhm, G. Klebe, H. Kubinyi, Wirkstoffdesign, 1996 (Spektrum Akademischer Verlag)

[3] E. Vaupel: Mutterkorn – Ein tödliches Gift wird zur Arznei; Kultur & Technik, Nr. 3 2005, 44-48