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Von Bienen, Blüten und einer guten Ernte

Blühende Obstbäume sind zur Zeit in vielen Gärten und als „wilde“ Obstbäume im Wald zu sehen. Ein deutliches Zeichen, dass das Frühjahr gekommen ist.

Apfelblüte, Zierapfelbaum, Foto: Ricarda Schügner

Mich hat das Foto eines großen alten blühenden Kirschbaums, der mit vielen weißen Blüten bedeckt war, besonders beeindruckt. Das Foto von Luoke hat mich jedoch auch an meinen kleinen – ebenfalls reich blühenden – Zierapfelbaum erinnert.

Zum einen denke ich bei „Obstbaum“ auch direkt an eine reiche Ernte an Kirschen, Äpfel, Birnen oder Pflaumen im Herbst. 🙂 Zum anderen haben unsere Obstbäume sehr ähnliche Blüten.

Warum sehen sich die Blüten der Obstbäume ähnlich?

Das Aussehen der verschiedenen Früchte unterscheidet sich deutlich, aber die Blüten von Kirschen, Äpfeln, Brombeeren und sogar Erdbeeren sehen ähnlich aus. Trotz aller Unterschiede gehört unser Obst zur gleichen (Pflanzen-)Familie, den Rosengewächsen (Rosaceae), wie auch die Rose. Die Familie der Rosengewächse ist groß und weit verbreitet. Bei einer einfach blühenden Rose ist die Ähnlichkeit zu den Obstbaumblüten sichtbar. Die Blüten bestehen aus fünf Blütenblättern, genauer Kronblättern, mit Staubgefässen und Stempel. Bei Betrachtung der Blüten von hinten sind fünf, meistens grüne, Kelchblätter. Es sind die Blätter, die die Knospe vor dem Aufblühen geschützt haben. In der Abbildung ist der kompletter Blütenaufbau zu sehen.

Schematischer Blütenaufbau, Bild: R. Schügner

Und die reiche Obsternte im Herbst?

Für die Obsternte im Herbst hoffen zunächst alle Obstbaumbesitzer, dass es keinen Frost gibt, der die Blüten und kleinen Früchte schädigt. Wenn es zu kalt ist, frieren allerdings auch die fleißigen Bestäubungs-Helfer im Garten. Bei gutem Wetter brummt es jedoch rund um die blühenden Pflanzen. Die Bienen und auch Hummeln gehen ihrer Arbeit nach und bestäuben die Blüten emsig.
Im Youtube-Video von Iloriquita könnt ihr sie bei der Arbeit sehen.

Warum ist die Bienenarbeit zur Bestäubung notwendig?

Bei vielen Obst- und Gemüsepflanzen dienen Bienen und andere Insekten wie Schmetterlinge als Boten, die den Pollen von einer Blüte zur nächsten transportieren. Nur mit dieser Unterstützung können Früchte und Samen gebildet werden. Bei diesen Pflanzen ist eine Selbstbefruchtung nicht möglich. Ohne die fleißige Arbeit der Insekten gibt es keine reiche Ernte. Wenn die Helfer fehlen, gibt müssen die Obstbäume per Hand mit einem Pinsel bestäubt werden. Tatsächlich gibt es Gegenden in denen Obstplantagen diese Unterstützung durch den Menschen benötigen, wie unter anderem hier auf der Seite des Deutschlandradios zu lesen ist.

Bienenstöcke, Foto: Ricarda Schügner

Eine andere Möglichkeit der Pflanzen den Pollen zu verbreiten, kennt vermutlich jeder mit Heuschnupfen: Der Pollen „liegt“ in der Luft und es ist Heuschnupfenzeit. Der Wind verteilt den Pollen, so dass er benachbarte Pflanzen erreichen kann. Windbestäubung findet sich zum Beispiel bei Gräsern, wie unseren Getreidearten. Einige Arten, beispielsweise Raps, bei denen die Vermehrung über Windbestäubung stattfindet, erzielen durch Insektenunterstützung höhere Erträge.

Ohne Bienenunterstützung gäbe es also durchaus pflanzliche Nahrung, aber unser Obst und viele Gemüsepflanzen, die unsere Ernährung bereichern, würden fehlen. Weiterhin würden bei einigen Pflanzen, wie Raps, die Erträge sinken. Da nicht nur die landwirtschaftlich genutzten Pflanzen bei der Vermehrung auf die Unterstützung der Bienen angewiesen sind, würden auch viele Wildpflanzen ohne Bestäubung durch Bienen Probleme haben. Letztlich würde die Ernte pflanzlicher Nahrung deutlich sinken. Das betrifft natürlich nicht nur die menschliche Ernährung, sondern auch die Ernährung unserer Nutztiere.

Bienen sichern die biologische Vielfalt

In den letzten Jahren ist die Zahl der Bienenvölker jedoch zurückgegangen. Für den Rückgang gibt es mehrere Gründe. Zum einen gibt es weniger Imker und damit weniger Bienenvölker. Zum anderen beeinflussen Umwelteinflüsse die Gesundheit der Bienen.

Neben Rückständen von Pflanzenschutzmitteln sind Bakterien, Viren und Parasiten ein Problem für Bienen. Insbesondere die Varroamilbe hat in den letzten Jahren einen erheblichen Schaden verursacht. Die Varroamilbe lebt als Parasit in den Bienenstöcken und auf Bienen. Durch den Parasitenbefall werden die Bienen geschwächt und haben eine verkürzte Lebenserwartung. Außerdem sind die befallenen Bienen anfälliger für tödliche Virusinfektionen. Die Infektion mit der Varroamilbe wird als Grund für die in den letzten Jahren im Herbst und Winter gehäuft auftretenden Bienensterben angenommen.

Da Bienen wichtig für unsere Ernährung sind, sollten sie unterstützt werden. Ich weiß, Bienen können stechen. 🙂 Mein Tipp bei einer Bienenbegegnung: ruhig bleiben und nicht wild in der Gegend herumfuchteln – dann denkt die Biene auch nicht, dass ihr einen Boxkampf beginnen wollt und sie sich mit ihrem Stachel verteidigen muss. 😉

Was fördert die Bienengesundheit?

Als erstes kann sich jeder mit einem Garten oder Balkon selbst eine Freude mit blühenden Pflanzen, die auch den Bienen Nahrung bieten, bereiten. Die Nahrungspflanzen werden im Garten oder auf dem Balkon am besten so platziert, dass die Bienen bei ihrer Arbeit beobachtet werden können, aber der eigne Sitzplatz nicht in der „Einflugschneise“ steht.

Neben einem Nahrungsangebot für Bienen & Co kann mit einem Insektenhotel auch ein Unterschlupf für Wildbienen und andere Insekten geschaffen werden. Einfache Varianten lassen sich mit Bambusstäben und einer Dose leicht selbst basteln. In dem Youtube-Video des NABU TV seht ihr wie es geht.

Ein wenig mehr Aufwand ist es ein eigenes Bienenvolk in der Stadt zu halten. Aber die Zahl der Imker in der Stadt steigt. Hier hat sich ein Bienenvolk auf dem Dach des österreichischen Bundeskanzleramts niedergelassen.

Zum Schluss habe ich noch ein paar Links rund um das Thema Bienen und Imkerei zusammengetragen:

 

 

Tipp: Wissenschaftliche Videos aus dem Bereich Gesundheit und Ernährung

Ich hatte gelesen, dass es bei der EFSA interessante Videos zu wissenschaftlichen Themen gibt. Da ha sich mir direkt die Frage gestellt: Was genau ist die EFSA?

Das hat sich ziemlich schnell mit einer kurzen Suche beantworten lassen. Es handelt sich um die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Saftey Authority = EFSA). Die Aufgabe der 2002 gegründeten Behörde ist die wissenschaftliche Risikobewertung und Risikokommunikation. Das Risikomanagement der EU bleibt weiterhin bei der EU Kommission, dem EU Parlament sowie den EU-Mitgliedsstaaten. [Lit. 1]

Der Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Ausrichtung der EFSA. Auf der Website und in den Unterlagen wird neben der wissenschaftlichen Exzellenz und Reaktionsschnelle auch die Offenheit, Transparenz und Unabhängigkeit betont. Bei der Recherche zu diesem Beitrag wurden – bezogen auf diese Punkte – auch kritische Artikel gefunden, z. B. hier und hier.

Auf der EFSA-Seite stolpert man alle Nase lang über die Begriffe Wissenschaft, Exzellenz, Unabhängigkeit und Transparenz – für meinen Geschmack etwas zu oft.

Die auf Youtube veröffentlichten Info-Videos zu unterschiedlichen Themen, zeigen ein deutlich ausgewogeneres Verhältnis von Nennung der EFSA, den Werten und den wissenschaftlichen Informationen hin (ich beziehe mich hier auf die Info-Videos mit wissenschaftlichen Themen). Diese Videos können durchaus als Einstieg in eine bestimmte Thematik dienen. Die Sprache der Videos ist Englisch, aber es sind deutsche Untertitel verfügbar.

Ich habe drei Videos ausgewählt, deren Themen ich hier kurz vorstellen will:

Das Video zu den „Enzymen“ bietet eine gute Kurzeinführung zur Thematik „Was sind Enzyme“.

Ein weiteres Video setzt sich mit dem Thema „Health Claims“ auseinander und erklärt an einem anschaulichen Beispiel, was Health Claims sind und wie diese Aussagen auf den Wahrheitsgehalt überprüft werden.

In einem weiteren Video wird das Thema „Bienengesundheit“ vorgestellt. Bienen sind Teil der Lebensmittelkette. Zum einen liefern sie ganz direkt Honig und zum anderen bestäuben sie viele Pflanzen, deren Früchte wir ernten. Ohne Bienen hätten wir durchaus ein Problem.

Bienen

Bienenkörbe; Foto: Ricarda Schügner

 

[1] Broschüre der EFSA „Verbraucherschutz durch Wissenschaft
vom Erzeuger zum Verbraucher