Fundstück beim Waldspaziergang: Eine merkwürdige Blüte mit Fliege ist ein Tintenfischpilz

Das Foto dieser merkwürdigen „Blüte“ mit Fliege ist schon vor einer ganzen Weile entstanden – genauso wie der Plan einen Blog-Beitrag zu schreiben. JETZT ist es endlich soweit. 🙂

Bei einem Spaziergang mit meiner Schwester und den Hunden haben wir am Wegrand im Gras eine merkwürdige Pflanze mit rötlich-schwarzen länglichen Blättern (?) entdeckt. Also schnell das Smartphone gezückt und fotografiert. 🙂

Tintenfischpilz; Foto: W. Schügner

Bei genauerem Betrachten der Pflanze haben wir noch eine Fliege gesehen, die sich dort niedergelassen hatte.

Tintenfischpilz mit Fliege; Foto: W. Schügner

Nun Pflanzen, die Fliegen anziehen, riechen meistens nicht besonders gut, sondern vermutlich nach Aas. Den Geruchstest musste ich dann nicht machen… – Die Hunde fanden den Geruch allerdings interessant. 😉

Mit den Fotos und der Geruchs-Info ließen sich Informationen zu der Pflanze ganz schnell finden. Es ist ein Tintenfischpilz (Clathrus archeri), der ursprünglich aus Australien stammt.

Wie kommt der Tintenfischpilz von Australien nach Europa?

Anfang des 20. Jahrhunderts importierte Frankreich Wolle aus Australien und Neuseeland. In diesen Wolllieferungen wurden wahrscheinlich die Sporen des Pilzes vor mehr als 100 Jahren mit-importiert. Der Tintenfischpilz wurde 1913 oder 1914 (je nach Quelle) erstmals in den Vogesen nachgewiesen. Von dort aus breitete er sich langsam in Europa aus, da auch in Europa die Fliegen – wie ich sehen konnte – von dem Aasgeruch des Tintenfischpilzes angezogen werden. Die in Europa neue Pilzart Clathrus archeri wird in den letzten Jahren scheinbar häufiger gesichtet.

Der Überbegriff für „neue“ Pflanzen oder Tiere, die aus anderen Gegenden absichtlich (z. B. Zierpflanzen) oder unabsichtlich (wie der Tintenfischpilz) eingeführt wurden oder werden ist Neobiota. Nicht jede Pflanze oder jedes Tier aus anderen Regionen überlebt in einer neuen Umgebung und ist zu dem noch in der Lage sich zu vermehren. Die Bedingungen müssen dafür ähnlich wie in dem ursprünglichen Ökosystem sein. Andererseits besteht immer die Befürchtung, dass Neobiota das „neue“ Ökosystem schädigen. Der Begriff „Ökosystem“ wird mittlerweile recht häufig gebraucht und eine genauere Vorstellung bestimmt nicht verkehrt.

Ich habe den Begriff „Ökosystem“, beispielsweise in meinen Blogbeiträgen zum Wissenschaftsjahr „Meere und Ozeane“ in Zusammenhang mit dem Korallenriff, verwendet. Dort ging es jedoch nicht um Schäden am Korallenriff durch Tiere oder Pflanzen aus anderen Ökosystemen, sondern um Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden. Für ein Ökosystem sind somit nicht nur Lebewesen, sondern auch das Klima mit z. B. Temperatur und Regen, wichtig.

Bekannte Beispiele für Ökosysteme sind das Korallenriff oder das Wattenmeer. Beide Beispiele zeigen, dass es sich um spezielle Lebensräume handelt.

Beispiel: Lebensraum Wattenmeer

Besonders beim Lebensraum Wattenmeer mit Ebbe und Flut ist sichtbar, dass ein Lebensraum besondere Ansprüche an alle Lebewesen stellt. Tiere und Pflanzen müssen im Wattenmeer sowohl an das salzhaltige Wasser wie auch an den Wechsel von Flut (Wasser) und Ebbe (kein Wasser, Trockenheit, Sonne) angepasst sein. Weiterhin kommen noch die Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen und Lichtverhältnissen hinzu: kurze Tage mit wenig Sonne und Kälte im Winter und lange Tage mit viel Sonne und Hitze im Sommer.

Was also ist ein Ökosystem?

Alle Lebewesen sind an ihren Lebensraum, wie z. B. das Wattenmeer, angepasst. Pflanzen und Tiere finden dort Nahrung und Schutz sowie die Möglichkeit sich zu vermehren.

Ein Beispiel ist der Wattwurm (Arenicola marina), der im Watt lebt und aus dem Sand des Watts Nahrung herausfiltert sowie das Wasser zur Vermehrung nutzt. Weiterhin dient er bei Niedrigwasser Vögeln wie z. B. dem Austernfischer als Nahrung. An diesen Vögeln ist die Anpassung an den Lebensraum Wattenmeer sichtbar: Lange Beine und spitze Schnäbel, die sich gut zur Suche von Wattwürmern eignen.

Austernfischer: Anpassung an den Lebensraum Wattenmeer: Foto: G. Schügner

Lebewesen als Lebensgemeinschaft?

Lebensgemeinschaft bedeutet, dass Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sowohl Nahrung finden wie auch als Nahrung für andere Lebewesen dienen, wie im Beispiel der Wattwurm. Er findet Nahrung im Watt und wird von Vögeln gefressen.

Zusammengefasst besteht ein Ökosystem aus einem Lebensraum (= die unbelebte Umwelt) und der Lebensgemeinschaft verschiedener Lebewesen.

Ökosysteme sind stabil, wenn sich die Umweltfaktoren nicht verändern. „Umweltfaktoren“ – schon wieder ein neuer Fachbegriff. Wenn sich ein Lebewesen (Organismus) in einem Lebensraum aufhält, wirken ein Vielzahl von Faktoren aus der Umgebung (= Umwelt) auf das Lebewesen. Das sind zum einen abiotische („nichtlebende“) Faktoren, wie Temperatur oder Licht und zum anderen biotische („lebende“) Faktoren an denen Lebewesen miteinander in Wechselwirkung stehen, wie eine Räuber-Beute-Beziehung.

Unten findet ihr eine Übersicht über die abiotischen und biotischen Faktoren:

abiotische Faktoren:

  • Licht
  • Wasser
  • Klima
    • Temperatur
    • Wind
    • Feuchtigkeit
  • Luft
  • Bodeneigenschaften

biotische Faktoren:

  • Intraspezifische Faktoren
    • Tierverbände
    • Territorialität
    • Konkurrenz
  • Interspezifische Faktoren
    • Räuber-Beute-Beziehung (Episitismus)
    • Parasitismus (ein Parasit zieht Nutzen aus einem anderen Lebewesen und schädigt es)
    • Kommensalismus (ein Organismus zieht Nutzen aus einem anderen Lebewesen ohne es zu schädigen)
    • Konkurrenz (Wettbewerb von Lebewesen um eine begrenzte Ressource wie Nahrung oder Wohnraum)

Abiotische und biotische Umweltfaktoren; Abbildung: R. Schügner

Wie in der Liste zu sehen ist, wirken viele Faktoren in einem Ökosystem zusammen. Eine dauerhafte Veränderung eines oder mehrerer Faktoren kann auch zu Veränderungen im gesamten Ökosystem führen.

Eine Überlegung:

Was wäre wenn… eines der großen Raubtiere, beispielsweise eine Großkatze oder der Wolf, verschwindet. Die Beutetiere könnten sich ungestört vermehren. Die Pflanzenfresser würden mehr Nahrung benötigen. Vielleicht werden mehr Pflanzen gefressen als nachwachsen. Es ist nicht mehr genug Nahrung für alle vorhanden. Eine andere Möglichkeit: Die „freie Stelle“ wird mit einem anderen Raubtier neu besetzt.

Ökosysteme sind komplex und was passiert, wenn sich ein oder mehrere Umweltfaktoren ändern, lässt sich nicht genau vorhersagen. Aber bei dauerhaften und großen Veränderungen der Umweltfaktoren wird sich das Ökosystem verändern.

Veröffentlicht am September 6, 2019 in NATUR + WISSENSCHAFT und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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