Antibiotika – Bakterien – Resistenz


Antibiotika“ finden sich regelmäßig zu unterschiedlichen Themen in den Medien wieder. Scheint fast so als hätten sie „Starpotential“. 😉 So ganz falsch ist das nicht, da es sich bei den Antibiotika um wichtige Medikamente gegen bakterielle Infektionen handelt. In diesem Blogbeitrag zu Mikroben habe ich festgestellt: Sie sind überall, die Mikroorganismen – von nützlich bis tödlich. Wobei wir natürlich die nützlichen, z.B. Darmbakterien, behalten wollen und nur Medikamente bei den gefährlichen Keimen brauchen.

Wortwolke

Ein paar Begriffe rund um Antibiotika; erstellt mit wortwolke.com

Allerdings werden Antibiotika mittlerweile so weit verbreitet eingesetzt, dass NDR Extra3 die Lage in einem Beitrag satirisch aufbereitet hat, denn SO sollte es natürlich nicht laufen.

Aber wie sollten Antibiotika dann eingesetzt werden?

Antibiotika sind Medikamente, die gegen Bakterien wirken. Folglich sollten sie nur bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Bei Virus-Erkrankungen, wie z.B. Erkältungen, wirken Antibiotika nicht. Sie sollten dort erst eingesetzt werden, wenn der Verdacht besteht, dass sich – aufgrund des geschwächten Immunsystems – zusätzlich bakterielle Infektionen ausbreiten. Aber wenn ihr richtig krank seid, geht ihr ohnehin zum Arzt, oder?

Um eine für Menschen und Tiere nicht lebensgefährliche Wirkung zu erzielen, nutzt man die Unterschiede zwischen eukaryotischen Zellen (bei Menschen und Tieren) und (prokaryotischen) Bakterienzellen. Unterschiede zwischen eukaryotischen und prokaryotischen Zellen findet man sowohl im Zellaufbau wie auch in der molekularen Struktur. (siehe Abbildung, vereinfachte Darstellung)

Zellen_1

Vereinfachte Darstellung: Tier- und Bakterienzelle

Hier habe ich eine Auswahl von Antibiotika-Klassen (also mit unterschiedlicher chemischer Struktur) und deren Angriffspunkte:

  • Zellwandsynthese: Penicilline, Cephalosporine, Vancomycin
  • Proteinsynthese (anderer Aufbau der Ribosomen): Tetracycline, Streptomycin
  • Folsäurestoffwechsel: Sulfonamide

Das ein oder andere Antibiotikum (bzw. der Name) kommt euch bestimmt bekannt vor.
Tipp: Auf jeden Fall mit dem Arzt oder Apotheker 😉 sprechen, ob man in die Sonne darf, die Pillen mit Milchprodukten einnehmen kann, welche Nebenwirkungen auftreten können oder was sonst so zu beachten ist.

Doch wo ist jetzt das Problem?

Zum einen wirken ohnehin nicht alle Antibiotika gegen alle Bakterien. Zum anderen können Bakterien, die eigentlich auf ein bestimmtes Antibiotikum ansprechen, eine Resistenz entwickeln, so dass dieses nicht mehr wirkt.

Bakterien vermehren sich durch Zellteilung, was zur Folge hat, dass schnell viele neue Zellen entstehen. Damit steigt auch die Möglichkeit für Veränderungen im Erbgut (DNA-Mutationen), die sich auf die Wirksamkeit der Antibiotika auswirken können.

Eine weitere Möglichkeit, wie Bakterien Informationen weitergeben können, sind Plasmide. Plasmide sind kleine ringförmige DNA-Stücke außerhalb des Bakterienchromosoms (der Haupt-Erbsubstanz). Plasmide können zusätzliche Gene, z.B. zu Antibiotika-Resistenzen und der Möglichkeit eines Plamidaustauschs mit anderen Bakterien, enthalten. Wenn die Austauschmöglichkeit besteht, werden Informationen von Bakterium zu Bakterium weitergegeben.

Und das Problem?

Eigentlich sind es mehrere Probleme:

  • Bakterien sind überall:
    Auch ein gesunder Mensch beherbergt eine Vielzahl von, teilweise nützlichen, Bakterien, die ihm – solange er gesund ist und das Immunsystem einwandfrei funktioniert – nicht gefährlich werden. Bei einer Erkrankung oder einem geschwächten Immunsystem (OP, Krebserkrankung etc.) kann dies schon anders aussehen und zu zusätzlichen lebensgefährlichen Komplikationen führen.
    Außerdem werden durch die Einnahme der Antibiotika nicht nur die gewünschten, krankmachenden Bakterien abgetötet, sondern auch nützliche Bakterien z.B. Darmbakterien, die dort wichtige Aufgaben übernehmen. Schon mal bei Antibiotika-Einnahme heftigen Durchfall gehabt?
  • Jeder Antibiotika-Einsatz kann zu Resistenzen führen:
    Wie oben beschrieben, können durch Mutationen oder Plasmidaustausch resistente Bakterien entstehen, die sich fleißig weitervermehren.
  • Antibiotika wirken nicht gegen Virus-Infektionen:
    Erkältungen oder die „echte Grippe“ (Influenza) werden in der Regel von Viren ausgelöst. Viren können nicht mit Antibiotika bekämpft werden. Folglich sollte nicht automatisch bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben werden.
  • Ich habe keine Symptome mehr – und nehme meine Medikamente nicht mehr:
    Da Bakterien unterschiedlich gut auf das Antibiotikum ansprechen, gibt es einige, die länger durchhalten – und sich nach Absetzen wieder mit dem „Durchhaltegen“ oder schlimmer „Resistenzgen“ vermehren können. Deshalb möglichst immer bis zum Schluss nehmen und bei Nebenwirkungen – vor dem Absetzen – auf jeden Fall mit dem Arzt sprechen.
  • Der Tipp des Tages gegen jede Infektion: Hände waschen
    Wer die Hände mit ausreichend Seife wäscht, schützt seine Gesundheit und die anderer. Ihr kennt das: nach der Toilette, vor dem Kochen und dem Essen, vor dem Krankenbesuch und danach…
    Hier das Video zum Händewaschen 😉

Antibiotika wirken nicht bei jeder Krankheit und sollten deshalb ausschließlich bei bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Wer einmal mit der Einnahme angefangen hat, sollte sie so lange nehmen, wie der Arzt sie verschrieben hat bzw. bei Nebenwirkungen auf jeden Fall mit dem Arzt sprechen und nicht einfach mit der Einnahme aufhören.

Der Do-it-yourself-Tipp für die Gesundheit lautet: regelmäßig Händewaschen. 😉

Da ich bekennender Science Slam-Fan bin, habe ich euch passend zum Thema einen Vortrag von Ronald Jäpel herausgesucht. Viel Spaß 😀

Meine Lesetipps zum Thema:

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Veröffentlicht am Juli 31, 2015 in NATUR + WISSENSCHAFT und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

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