Bewegungsabläufe lernen – muss man wirklich sooo oft wiederholen?

Letztens beim Tai Chi hat der Trainer gesagt, dass der Meister seines Meisters (OK – das ist schon „Hörensagen“ 😉 ) gesagt hat, man müsse die Figuren 1000x wiederholen um sie zu beherrschen. Immerhin will er uns nicht vergraulen und wir müssen die Figuren nicht so oft am Stück wiederholen.

Für alle, die Tai Chi nicht kennen, habe ich die – in diversen Varianten – weit verbreitete 24er Peking Form als Video (von Sherry Tung) herausgesucht:

Wie man sehen kann, sind die Bewegungsabläufe langsam, ABER sie erfordern eine gute Koordination von „Armen und Beinen“, dem Gleichgewicht, der Atmung und dann muss man sich natürlich noch den Gesamtablauf der Form merken. Und letztlich, da Tai Chi „Meditation in Bewegung“ ist, ist man selbstverständlich noch entspannt. 😉 Wenn man die Übungen beherrscht stimmt das zwar (kann ich bestätigen), aber am Anfang raucht der Kopf.

Das ist auch schon das Stichwort: Wie funktioniert Bewegung und wie lernt man eigentlich? Für beides braucht man das Gehirn [Video] und Nervenzellen (Neuronen).

Bei den Nervenzellen handelt es sich um verzweigte Zellen, die ein dichtes Netz bilden. Allerdings geben sie sich nicht gegenseitig „die Hände“, sondern halten den Kontakt über einen kleinen (synaptischen) Spalt (zwischen prä- und postsynaptischer Endigung) und mit Botenstoffen (Neurotransmitter), die Impulse übertragen. Innerhalb der Nervenzelle wird der Impuls elektrisch übertragen und an die nächste Zelle mittels eines chemischen Botenstoffes weitergegeben. Um eine Überaktivierung der Neuronen zu verhindern, werden nicht alle Signale weitergeleitet. Wenn man jetzt übt und übt und übt, erhöht sich die Zahl der weitergegebenen Impulse bis sich die Langzeitpotenzierung (LTP) einstellt. Das bedeutet, dass die Übertragung der Impulse zum einen durch die größere Zahl der weitergeleiteten Impulse, aber auch durch die stärkere Reaktion der Post-Synapse (Aufnahme der Botenstoffe) besser wird.

Hier unten im Youtube-Video der MaxPlanckSociety könnt ihr euch das in tollen Bildern anschauen.

Die 1000x trainieren lassen sich zwar nicht bestätigen, aber gaaanz viele Wiederholungen sind tatsächlich wichtig. Also hilft nur üben. 😦

Außerdem haben Studien gezeigt, dass komplexe Bewegungsabläufe sehr positiv für das Gehirn sind und sich das Üben wirklich lohnt.

Petra Jansen-Osmann hat in einem Übersichtsartikel [Lit. 1] Erkenntnisse zu „den neurowissenschaftlichen Grundlagen komplexer sportiver Bewegungen“ zusammengefasst. Sie führt als Beispiel die Studie von Draganski et al. an, bei der die Studienteilnehmer mit 3 Bällen jonglieren lernen sollten bzw. als Kontrolle kein Training stattfand. Mittels dieser Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass sich das Gehirn auch im Erwachsenenalter durch das Erlernen komplexer Bewegungen noch verändert. Diese Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen, Hirnarealen sich zu verändern, nennt man neuronale Plastizität.

Weiterhin darf man nicht vergessen, dass Bewegungstraining auch die Muskeln trainiert, die ebenfalls – wie die Nervenverbindungen – mit dem Training aufgebaut und ohne Training abgebaut werden.

Gut – ich gehe jetzt mal Gehirn, Nerven und Muskeln trainieren. Obwohl, hatte ich da nicht etwas von Spiegelneuronen gelesen, die beim Betrachten eines erlernten Vorganges das gleiche Aktivitätsmuster wie bei der Tätigkeit auslösen? Vielleicht reicht es ja sich das erste Video oben öfter anzuschauen. 😉 (was allerdings nicht die Muskeln trainiert… und selbst trainieren bringt zumindest mir mehr Spaß 🙂 )

Literatur:

[1] Jansen-Osmann, P. (2008). Die Bedeutung der Neurowissenschaft für
die Sportwissenschaft. Sportwissenschaft, 38, 24-35

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Veröffentlicht am April 19, 2015 in DIES + DAS und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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